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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Mose Alsmosniuo und Samuel Schulam. 375

ihnen auch eine erhobene Stimmung verliehen, einen freien Blicküber die Spanne Gegenwart hinaus geöffnet und ihren Geist wiederzum Schaffen angeregt haben. Tie geistige Fruchtbarkeit der jüdisch-spanischen Rasse, welche Schönes und Tiefes zutage gefördert, warauch in der Türkei nicht ausgetrocknet und erloschen. Der Sinn fürGeschichte und Vorgänge jenseits der jüdischen Welt war ihr nochnicht verschlossen. Mose Almosnino photographierte während seinerAnwesenheit in Konstantinopel, um Privilegien für die SalonicherGemeinde zu erlangen, sehr anschaulich das Leben in der türkischenHauptstadt mit seinen Gegensätzen von glühender Wärme und er-starrender Kälte, erstaunlichem Reichtum und abschreckender Armut,verweichlichendem Luxus und strenger Enthaltsamkeit, verschwenderischerMildtätigkeit und herzlosen: Geize, übertriebener Frömmigkeit undgottvergessener Lauheit, die sprungweise, ohne sanfte Übergänge ein-ander folgten. In seiner Schrift über dieGegensätze und GrößeKonstantinopels" i) in spanischer Sprache hat Almosnino die Machtund Entwicklung des türkischen Staates mit Kennerblick geschildert.Er hatte überhaupt Vorliebe für Wissenschaften und Philosophie undgab seinen Predigten wie seiner Schriftauslegung eine wissenschaftlicheForm. Für Geschichte war auch eingenommen der Arzt SamuelSchulam, ebenfalls ein Spanier von Geburt, der lange ein Aben-teurerleben geführt, bis er in Konstantinopel von einer bei derSultanin in Ansehen stehenden jüdischen Frau Esther Kiera^)unterstützt wurde. Auf ihre Kosten gab er Zncutos zwar schlechte,aber brauchbare Chronik (o. S. 14) heraus (156667), aber vielfachgekürzt und gedrängt. Er fügte zur Ergänzung ein Geschichtswerkhinzu, das bis dahin von Juden gar nicht beachtet worden war, diearabische Chronik der Dynastien des syrischen Chronisten Abulfarag'Barhebräus, zu der Schulam die türkische Geschichte selbständignachgetragen hat. Auch übersetzte dieser Günstling der jüdischenHofagentin aus dem Lateinischen die interessante Schutzschrift desalten jüdischen Geschichtsschreibers Josephus gegen die Angriffe desalexandrinischen Judenfeindes Apion der erste jüdische Schriftsteller,der davon Gebrauch gemacht hat. Von weit größerem Werte warenzwei Urkunden, die er der Zacutoschen Chronik hinzugefügt hat,Scheriras geschichtliches Sendschreiben und die wichtigen Nachrichtendes Nathan Babli über die gaonäische Zeit^), ohne die ein ganzerZeitraum der jüdischen Geschichte einem leeren Blatte gliche. Auch

h Die genannte Schrift Dxtremcw x- Kranäenrw äs 6on8tantinopls, inspanischer Sprache mit hebräischen Buchstaben, verfaßt 1567, wurde in spanischeSchrift übertragen und heransgegeben von dem jüdischen Dolmetscher derspanischen Krone, Jakob Cansino, Madrid 1638.

'h S. Note 8. h B. V, 2 S. 287, 288.