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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Infolge des Einflusses des Joseph von Naros auf den SultanSelim und des Salomon Aschkenasi auf den ersten Minister MohammedSokolli bewarben sich auswärtige christliche Höfe um die Gunst dertürkischen Juden in Stambul. Wollte einer derselben etwas bei derPforte durchsetzen, so suchte er vor allem einen jüdischen Vermittlerdafür zu gewinnen, weil ohne einen solchen keine Aussicht vorhandenwar, mit etwas durchzudringen?) Selbst der finstere Philipp II.von Spanien, der eingefleischte Juden- und Ketzerhasser, mußte sich,um Waffenruhe von den Türken zu erlangen, nach jüdischen Unter-händlern umsehen. Die Stellung der Juden in der Türkei undnamentlich in der Hauptstadt, unter den Augen ihrer mächtigenBeschützer, war daher außerordentlich günstig. Sie durften alle ihreKräfte frei entfalten und erwarben Reichtümer, welche auch damalsMacht verliehen. Der Großhandel und der Zoll waren größtenteilsin ihren Händen. Auch Schiffahrt im großen trieben sie und wett-eiferten mit den Venezianern. In Koustantiuopel besaßen sie dieschönsten und größten Häuser mit Gärten und Kiosks, die denendes Großveziers gleichkamen?)

Wurden die Juden in den Provinzen irgendwo bedrängt, wasnamentlich von den boshaften Griechen geschah, oder wollten sieüberhaupt etwas durchsetzen, so brauchte sich nur eine Deputationnach Konstantiuopel zu begeben, um vermittelst der jüdischen Großendie Plackereien abzuwenden. Die Juden von Salonichi, welche dieHauptbevölkerung der Stadt bildeten, aber nichtsdestoweniger vonder Minderzahl der Griechen öfter geplagt wurden, hatten unterdem Sultan Suleiman vergebens nur Bestätigung von Privilegienzu ihrem Schutze nachgesucht. Ihr Prediger, Mose Almosnino,welcher mit mehrern Abgeordneten in Konstantinopel dafür tätiggewesen, verzweifelte schon, damit durchdringen zu können. Sobaldaber Selim den Thron bestiegen hatte und Joseph von Naxos zuhohem Ansehen gelangt war, erhielt er unerwartet einen Fermanzur Bestätigung der gewünschten Privilegien?)

Es konnte nicht fehlen, daß der Wohlstand, die Freiheit, dieBehaglichkeit und Sicherheit des Daseins unter den türkischen Juden

*) Obarrisre, XsKooiation III, p. 478 Note.

") Liberi, Relarioni 8sris III 1. 1 p. 275 fg., 1. 3 i>. 389; Gerlach,Tagebuch S. 192. di-a.tis.ni äs bsiio 6^pro x. 24: Inäasoruin nationembsnslieiis ornaverat (Üsliinus) atgus in Aratiain äokannss Niebssü änäaeisx Ilispania pro Iwgl, guo tainiliaritsr utsbatur, ab Loliinana patrs urkeruin vetsribus üsbrasornin seäibus babitanäain . . . a§rumgns eolsnäuiniini>sti-avsrat.

°) Almosnino, Predigtsammlung n- Nr. I. Einl. zu dessen Lxtreinosv Aranäeras äs Oonstantinoxls. S. Frankels Monätsschr. 1884 S. 42 fg.