Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Salomo Aschkenasi rettet die Gemeinde in Venedig. 373

kommendsten Aufmerksamkeiten während seines Aufenthaltes inVenedig (MaiJuli 1574), und sämtliche europäische Gesandte inVenedig drängten sich an ihn. Ter jüdische Botschafter hatte auchden Auftrag, die venezianischen Machthaber dafür zu gewinnen, einSchutz- und Trutzbündnis mit der Türkei gegen Spanien zu schließen,mit dem der Sultan stets auf dem Kriegsfüße stand. Salomo machteim Namen der Regierung die glänzendsten Versprechungen für einsolches Bündnis; indes drang er damit nicht durch.

Für seine Glaubensgenossen in Venedig war Salomo ein Retter.Ihre Freude über die Ehre, welche einem der ihrigen von den Macht-habern erwiesen wurde, war nämlich mit Trauer und Besorgnis ge-mischt wegen der ihnen drohenden Ausweisung. Der Doge Mocenigohatte nämlich darauf bestanden, den früher gefaßten Beschluß zurVerbannung der Juden (o. S. 367) vollstrecken zu lassen. Schonwaren manche jüdische Familien, ohne den letzten Termin abzuwarten,ausgewandert. Salomo hatte aber noch in Konstautinopel mit demvenezianischen Agenten, Jakopo Soranzo, verhandelt, sich derunglücklichen Juden anzunehmen. Bei dessen Rückkehr nach Venedigbrachte Soranzo sogleich die Judenfrage in der Sitzung des Dogenund der mächtigen Zehnmünuer in Beratung. Er machte ihnenbegreiflich, welcher Schaden der Republik durch die Ausweisung derJuden erwachsen würde. Die aus Spanien und Portugal vertriebenenJuden seien es, welche den Türken Kanonen und Kriegswaffenaller Art fabrizierten. Es sei sehr bedenklich, sich die Juden zu Feindenzu machen, welche eine Macht in der Türkei bildeten, und Freund-schaft mit diesem Staate zu erhalten, sei für Venedig vielmehr diesicherste Gewähr friedlicher Zustände, da es sich weder auf denPapst, noch auf Spanien verlassen könne, die sich in der Zeit derNot als ein geknicktes Rohr erwiesen hätten. Diese eifrige Verwen-dung Soranzos zugunsten der Juden bewirkte eine Umstimmung inden Gemütern des Dogen und der Dieci. Das Ausweisungsdekretwurde widerrufen (19. Juli 1573), und Salomos Anwesenheit inVenedig erhöhte noch die Freude seiner Glaubensgenossen, da erauch das Versprechen erlangte, daß sie nie mehr mit Ausweisungbedroht werden sollten?) Mit Ehren überhäuft und mit einen:Geldgeschenk von zehn Pfund Goldes, kehrte Salomo nach Kon-stantinopel zurück, wo seine Stellung sich noch mehr befestigte undsein Ansehen noch mehr stieg. Sein in Venedig zur Erziehungweilender Sohn Nathan wurde vom Dogen mit Aufmerksamkeitbehandelt?)

Joseph Kohen, Umsk Im-Laolm p. 131. Fortsetzung p. 147 sg , 151;Wols, Aktenstücke in Nn8kir I, S. 18.

2) v. Hammer, a. a. O., IV, S- 38.