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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

entschied sich sür Heinrich vvn Anjou und gewann den Großoezierdafür, als es sich zeigte, daß Potocki keine Aussicht hatte. Auchnach einer andern Seite konnte der jüdische Diplomat für den fran-zösischen Prinzen tätig sein, durch seine Bekannten unter dem pol-nischen Adel von seinem frühern Aufenthalte in Krakau als Leibarztdes verstorbenen Königs Sigismund August. Als Heinrich von Anjouendlich durch Vereinigung günstiger Umstände fast einstimmig gewähltwar (Mai 1573), rühmte sich der französische Gesandte, Bischof vonAcqs, daß er nicht einer der letzten gewesen, welche diese Wahlgewünscht und herbeigeführt hätten. Salomo Aschkenasi durfte, aberdarüber an den König von Polen, später König von Frankreich,unter dein Namen Heinrich III., schreiben:An: meisten habe ichEuer Majestät dabei Dienste geleistet, daß Sie zum König gewähltwurden; ich habe alles bewirkt, was hier (an der Pforte) getanwurde, obwohl ich glaube, daß Herr von Acqs alles auf sich bezogenhaben wird."^)

Großes Aufsehen machte es aber im christlichen Europa, alsdieser jüdische Arzt und Diplomat von der Pforte abgeordnet wurde,den Frieden mit Venedig, an dessen Zustandekommen er mehrereJahre gearbeitet hatte, endlich abzuschließen, und also als geachteteoffizielle Persönlichkeit aufzutreten. So ganz ohne Widerstand wurdeindessen der jüdische Botschafter von der erlauchten Republik nichtangenommen. Im Gegenteil, es war vorher im Schoße des Senatsdarüber eifrig verhandelt worden, und die Männer der Regierungwaren dagegen. Allein einerseits bestand der Großvezier MohammedSokolli darauf, weil Salomv dessen unbedingtes Vertrauen besaß,und er durch ihn diplomatische Fäden für andere Zwecke anknüpfenlassen wollte. Anderseits sprach ihm aufs wärmste das Wort derheimgekehrte Konsul Marc-Antonio Barbar», welcher wiederholent-lich versicherte, der jüdische Diplomat habe die wärmsten Sympathienfür Venedig. Unter diesen Umständen kamRabbi Salomo

Aschkenasi", wie er genannt wurde, als außerordentlicher Botschafterder Türkei nach Venedig. Einmal angenommen, mußten die Würden-träger der Republik, der Doge und die Senatoren, ihm die größtenEhren und Aufmerksamkeiten erweisen, weil der türkische Hof indiesem Punkte sehr empfindlich war und den Mangel an gebühren-der Auszeichnung seines Vertreters als Beleidigung angesehenhaben würde. Salomo wurde daher in feierlicher Audienz im

Dogenpalaste ausgenommen, und dort wurde die Urkunde des Friedenszwischen der Türkei und Venedig von ihm im Namen der erster»unterzeichnet. Auch sonst erwies ihm die Signoria die zuvor-

h S. Note 8.