Die polnische Königswahl.
371
Die ebenso kluge, wie falsche Königin-Witwe Katharina von Medici,die viel auf Astrologie gab, und der verkündet worden war, alleihre Söhne werden Kronen tragen, wollte ihrem Sohne Heinrich,Herzog von Anjou, eine fremde Krone verschaffen, damit dieastrologische Verkündigung sich nicht durch den Tod ihres regierendenSohnes Karl IX. erfülle. Sie und ihr Sohn, der König von Frank-reich, setzten daher alle Hebel in Bewegung, um Anjou auf denpolnischen Thron zu bringen. Aber auch die Türkei hatte wichtigeInteressen und eine gewichtige Stimme bei der polnischen Königs-wahl.
Bor allem sah die Pforte ungern in Polen einen König, welchermit den mächtigen christlichen Reichen in Zusammenhang stehen undalso ihre Feinde verstärken würde; sie war daher gegen die Wahleines Fürsten aus dem österreichischen oder russischen Hause. Siewünschte aber noch besonders, daß die Wahl auf einen einheimischenAdligen fiele, damit dieser sich an sie anzulehnen gezwungen sei.Der Großvezier Mohammed Sokolli, die Seele des türkischenDivans, hätte gern einen Potocki wühlen lassen, weil er mit diesemHause verwandt war. Ein wahrer Knäuel von Kabalen undRänken verwirrte sich daher infolge der polnischen Königswahl;jeder Kandidat suchte eine starke Partei unter dem polnischen Groß-und Kleinadel zu werben, aber sich auch die Pforte geneigt zu machen.Heinrich von Anjou hatte anfangs Aussichten, aber diese schwandendurch die blutige Bartholomäusnacht in Frankreich. Auf des Königsund der Königin-Mutter Wink waren nämlich Hunderttausende vonHugenotten überfallen und gemordet worden, klein und groß, Männer,Weiber und Kinder (24. August 1572). Eine solche Unmenschlichkeit,mit kaltem Blute angeordnet und ausgeführt, war unerhört in dereuropäischen Geschichte seit den Mordtaten an den Sllbigeusern imdreizehnten Jahrhundert auf päpstlichen Befehl. Die Lutheranerund Anhänger der Reformation aller Länder waren von diesemSchlage betäubt. Die Kandidaten des polnischen Thrones suchtendaher die Untaten der Bartholomäusnacht gegen Anjou auszuspielen,selbst der katholische Kaiser Maximilian stellte sich entrüstet darüber,um die reformatorisch Gesiuuten in Polen gegen ihn einzuuehmen.Destomehr mußten der französische Kandidat, seine Mutter und seinBruder die Pforte bearbeiten, seiner Wahl günstig zu sein. Einaußerordentlicher Gesandter, der Bischof von Acqs, wurde zudiesem Zwecke nach Konstautinopel gesandt. So lag die polnischeKönigswahl letztentscheidend in der Hand eines im Hintergrundstehenden Juden. Denn Salomo Aschkenasi beherrschte den Groß-vezier vollständig und lenkte seinen Willen, und dieser leitete imNamen des Sultans die auswärtigen Angelegenheiten. Salomo