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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Der erste Minister des türkischen Hofes erkannte dessen diplo-matische Gewandtheit, fesselte ihn an sich und betraute ihn bis ansein Lebensende mit solchen Aufträgen, bei denen es galt, durchKlugheit und Feinheit zum Ziele zu gelangen. Während die türki-schen Waffen gegen die Venezianer geführt wurden, mußte SalomoAschkenasi schon die ersten Fäden zum künftigen Friedensschlüssespinnen. Freilich wurde er dadurch von den Gegnern des Groß-veziers, wahrscheinlich auch von Joseph von Naxos umlauert, bearg-wöhnt und verdächtigt. Als der Sultan in der zweiten Residenz,Adrianopel, weilte, wurde Salomo von Mohammed Sokolli auchdahin beordert, unter dem Vorwände, dessen Gattin ärztlich zu be-handeln; eigentlich sollte er alle Vorgänge und Bewegungen beob-achten und darüber berichten. Infolgedessen wurde er von derKriegspartei des Spionierens angeklagt, in ein scharfes Verhör imNebenzimmer des Sultans gezogen und geriet in augenscheinlicheGefahr. Seine Klugheit zog ihn aber aus der ihm gestelltenSchlinge.

Die christlichen Kabinette ahnten gar nicht, daß der Gang derBegebenheiten, der sie zwang, Stellung nach der einen oder andernSeite zu nehmen, von jüdischer Hand in Bewegung gesetzt wurde.Das war besonders bei der polnischen Königswahl in dieser Zeit derFall. Der Tod des letzten jagellonischeu Polenkönigs SigismundAugust (Juli 1572), der keinen Thronerben hinterließ und eineförmliche Wahl ins Ungewisse nötig machte, setzte ganz Europa,wenigstens die Kabinette und diplomatischen Kreise in aufregendeSpannung. Zunächst waren der deutsche Kaiser Maximilian II. undder russische Herrscher Iwan, der Grausame, als Nachbarn Polens,dabei beteiligt. Jener setzte alles in Bewegung, um seinen Sohndurchzubringen, und dieser pochte darauf, daß er oder sein Sohnzum Könige gewählt werde. Der Papst arbeitete daran, daß einkatholischer Fürst den polnischen Thron einnähme, weil sonst zufürchten war, daß die Wahl eines der Reformation günstigen Königsdie im Zunehmen begriffene reformatorische Bewegung unter demAdel und in den Städten Polens und Litauens kräftigen, unddiese Länder sich vom Papsttum losreißen würden. Er hatte seinemNuntius und außerordentlichen Legaten Commendoni die Weisunggegeben, in diesen: Sinne tätig zu sein. Dagegen hatten wiederdie protestantischen Länder, Deutschland und England, und vor allemdie Anhänger der neuen Kirche verschiedener Sekten in Polen selbstdas höchste Interesse, einen König ihres Bekenntnisses oder wenigstenseinen, der nicht entschieden kirchlich-katholisch wäre, durchzusetzen.Dazu kam noch der persönliche Ehrgeiz einer mächtigen französischenKönigin, die in dieses wirre Getriebe mit geübter Hand eingriff.