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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

kam es nicht dazu. Trotz der Anstrengung des fanatischen PapstesPius' V., eine Liga der christlichen Staaten gegen die Türkei, eineArt Kreuzzng gegen die sogenannten Ungläubigen, zustande zubringen und die türkische Flotte aus den Gewässern von Cypernzu vertreiben, mußte sich die Stadt Famagusta dem türkischen Feld-herrn ergeben, und damit fiel die ganze Insel der Türkei zu. TieVenezianer mußten um Frieden betteln und setzten ihre ganzeHoffnung, ihn zu erlangen, auf einen einflußreichen Juden, der ihnvermitteln sollte. Trotz des feierlichen Beschlusses des venezianischenSenats, daß niemand sich unterfangen sollte, ein Wort zugunstender Juden zu sprechen, mußten sie doch geduldet werden, weil manes mit den Juden in der Türkei nicht ganz und gar verderben durfte.

Die Macht derselben war in der Tat so groß, daß sie, diesonst Hülfeflehendeu, von Christen um Hilfe angefleht wurden. TieNiederlande hatten einen ernsten Aufstand gegen Spanien und denfinstern König Philipp II. gemacht, weil er das Bluttribunal derInquisition in ihre Mitte gegen die dem Katholizismus Entfremdeteneinführen wollte. Der Blutmensch Alba suchte den Abfall nieder-zuhalten und den Katholizismus durch Hekatomben von Menschen-opfern in die Gemüter zurückzuführen. Der Galgen sollte das wankendgewordene Kreuz stützen. In dieser Bedrängnis wandten sich dieniederländischen Aufständischen, die Geusen, an Joseph von Naxos,der mit einigen Adligen in Flandern von seinem frühern Aufent-halte daselbst Verbindungen hatte. Der Herzog Wilhelm vonOranien, die kräftige Seele des Aufstandes, schickte einen eigenenBoten an Joseph von Naxos, daß er den Sultan bewegen möge,Spanien Krieg zu erklären, wodurch die spanischen Truppen vonFlandern hätten abberufeu werden müssen?) Dieser machte aller-dings alle Anstrengung, Sultan Selim für einen Krieg mit demverhaßten Philipp geneigt zu machen. Aber der erste Vezier MohammedSokolli, der für Spanien, wie für Venedig und die christlichen Völkerüberhaupt viel Sympathien hatte, war dagegen und mit ihm mehrereWürdenträger. Der österreichische Kaiser Ferdinand ließ sich eben-falls herab, um die Gunst der Pforte zu erhalten, an den jüdischenHerzog ein eigenhändiges Schreiben durch seinen Botschafter zuAchten, worüber der Neid des Großveziers nur noch vermehrt wurde.-)Sigismund August, König von Polen, welcher von der Pforteeinen wichtigen Dienst erwartete, wandte sich auch au ihn, gab ihmden Titeldurchlauchtigster Fürst", und, was noch mehr bedeutet,versprach günstige Privilegien für die Juden seines Landes, um ihnfür seine Pläne geneigt zu machen (1570 ^).

>) Lümrrisrs, l^sAoomtion III p. 61; 8kraäa äs bello LelAieo p. 135.

") Bei v. Hammer a. a. O. S. 61V. h Note 6.