Neue Intrigen gegen Jvseph von Naxos. 365
französische Gesandte Wind davon erhalten, suchte er das Feuer derZwietracht zu schüren, ließ Dand eine Summe und eine Anstellungals Dolmetsch bei der französischen Gesandtschaft mit einem Jahr-gehalte versprechen und setzte sich dann mit ihn: selbst in Verbin-dung, um ihm Geheimnisse über Joseph von Naxos zu entlocken.In seiner Gereiztheit ließ sich Dand zu unbesonnenen ÄußerungenHinreißen. Er versprach dem französischen Gesandten de Grandchanipvollgültige Beweise zu liefern, daß Joseph von Naxos seine Schuld-forderungen von der französischen Krone gefälscht, daß er die Sultaneüber seine frühere Stellung belogen, und — noch schlimmer — daßer eine verräterische Korrespondenz gegen die Pforte geführt habe.Er machte sich anheischig, zu beweisen, daß Joseph täglich an denPapst, an den König von Spanien, an den Herzog von Florenz,an die genuesische Republik, kurz an alle Feinde des Sultans Berichterstatte und die Vorgänge an der Pforte denselben verriete. VollerFreude über die Gelegenheit, den jüdischen Herzog zu stürzen, berichtetede Grandchamp an den König von Frankreich und an die schlaueKönigin-Mutter Katharina von Medici (in Chiffreschrift), daß erbald imstande sein werde, den mächtigen Feind des französischenEinflusses am türkischen Hofe an den Strang zu bringen, und erbatsich dazu einen Gehilfen aus Frankreich, einen Menschen mit groß-sprecherischem Wesen und langem Barte, der als außerordentlicherGesandter ausstaffiert werden und vom Sultan energische Schrittegegen Joseph von Naxos verlangen sollte (3. und 16. Oktober 1569).
Der jüdische Herzog schwebte in der größte:: Gefahr und mitihm wahrscheinlich die Gesamtjndenheit in: türkischen Reiche. WennDand seine Gehässigkeit gegen ihn hätte bis zur offenen Anklagetreiben, wenn französisches Geld der Intrige vollen Nachdruck hättegeben und wenn der Großvezier Mohammed Sokolli, der TodfeindJosephs, die Sache in die Hände hätte nehmen können, so wäredieser verloren gewesen. Der französische Gesandte hielt es aberfür angemessen, die Sache noch eine Zeitlang als Geheimnis zubehandeln, wahrscheinlich um Dand Gelegenheit zu geben, sich gewisseSchriftstücke zun: Beleg zu verschaffen. Er schärfte daher dem Königevon Frankreich ein, die Sache nicht verlauten zu lassen, namentlichden: türkischen Sendbote::, der damals an den französischen Hof abging,nichts davon zu verraten. „Denn sobald dieser es erführe, würde ersofort Joseph von Naxos einen Wink darüber geben, und dieser würdeden Sultan und seine Minister zuvorkommend bearbeiten können, daßdie Pläne gegen ihn vereitelt würden."
Trotz dieses Geheimhaltens wurden doch Joseph von Naxos dievon Daud und den: französischen Gesandten angezettelten Ränke ver-raten, und er kau: ihnen in der Tat zuvor. Es konnte ihm nicht