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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

und die türkischen Großwürdenträger durch Geschenke und Jahr-gehälter dafür zu gewinnen, hatte sie den Auftrag, sich auch beiJoseph von Naxos abzufinden. Tie Botschafter sagten ihm einJahrgehalt von 2000 Thalern zu (1567). Seine erbitterten Feindemußten ihren Haß gegen ihn verleugnen. Diejenigen, welche ihnnicht fahren ließen, Frankreich und Venedig, empfanden die Machtdes jüdischen Herzogs schwer. Der König von Frankreich wolltenoch immer nicht die beim marranischen Hause Mendes kontrahierteSchuld, welche auf Joseph übergegangen war, zahlen. Leicht ver-schaffte dieser sich einen Fermair vom Sultan, vermöge dessen erauf alle Schiffe unter französischer Flagge, die in einen türkischenHafen einliefen, Beschlag legen durfte. Bis nach Algier sandteJoseph von Naxos Kaperschiffe aus, nur Jagd auf französischeKauffahrer zu machen. Endlich gelang es ihm, auf mehrere Fahr-zeuge im Hafer: von Alexandrien Beschlag zu legen, sich die Wareanzueignen und sie für seine Schuldfordernng zu veräußern (1569).Der französische Hof schlug Lärm darüber, protestierte, tobte, allesumsonst. Seliin schützte seinen Günstling. Es trat dadurch eineErkältung in de» diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Reichenein, die für Frankreich unangenehmer wurde als für die Türkei.

Dem französischer: Gesandten an der Pforte, dem Herrn deGrandchamp lag daher viel daran, den Sturz des Joseph vonNaxos herbeizuführen. Nicht seine Ehre allein war dabei beteiligt,sondern die Ehre der französischen Krone. Sie hatte so oft der:europäischen Kabinetten großsprecherisch vorgeschwindelt, daß ihr Wortam türkischen Hofe von entscheidendem Gewichte und Einflüsse sei,und daß sie imstande wäre, den Divan für Krieg oder Frieden jenach ihrem Belieben zu stimmen. Und nun hatte es sich gezeigt,daß ihrer Flagge ein empfindlicher Schimpf von eben diesem Hofeangetan wurde, und daß sie nicht einmal imstande war, Genugtuungdafür an einem Juden, den: Urheber desselben zu erhalten. Derfranzösische Gesandte sann daher darauf, diese Niederlage in einenTriumph zu verwandeln, wenn es ihn: gelänge den Sturz des ein-flußreichen, mächtigen Juden herbeizuführen. Eine Gelegenheit botihm dazu die Unzufriedenheit eines von Josephs Agenten. Einjüdischer Arzt, namens David oder Daud, einer der Leibärzte destürkischen Hofes*) und auch im Dienste des Herzogs beschäftigt, derdie Beschlagnahme der französischen Schiffe in Alexandrien aus-geführt hatte, glaubte sich von seinen: Brotherrn gekränkt und be-nachteiligt. Es entstand eine Reibung zwischen beiden. Sobald der

') Daß dieser Daud oder Oaont, wie der französische Gesandte schreibt,ein Hamon gewesen sei, wie M. A. Levv a. a. O. behauptet, ist durch nichtserwiesen und auch sehr unwahrscheinlich.