französische Intrigen gegen Joseph Naßi.
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Gerüchte über ihn. Sie berichteten an ihre Hose, daß Joseph Naßi denPrinzen zu Schwelgereien und Orgien verführe nnd ihn verdürbe.Am meisten feindlich gestimmt gegen ihn waren die Gesandten vonVenedig und Frankreich, weil er ihre ränkevollen Pläne gegen dentürkischen Hof durchschaute und zu vereiteln vermochte, und besondersweil er Privathändel mit ihnen hatte. Die venezianische Siguoriahatte seine Schwiegermutter eingekerkert, sie um Geldsummen gebrachtund ihn selbst wegwerfend behandelt; der französische Hof schuldetedem Hause Mendes-Naßi eine bedeutende Summe (150000 Dukaten)und dachte nicht daran, ihm gerecht zu werden. Ter französischeGesandte, Herr de la Vigne, war daher eifrig bemüht, Ton Josephzu verderben: er schrieb an Heinrich II., er möge an den SultanSuleiman berichten, daß Joseph Naßi ein Gewerbe daraus mache,die Feinde Frankreichs von allein in Kenntnis zu setzen, was amtürkischen Hofe verhandelt werde, und daß er dieses im spanischenInteresse täte, da er ein Spanier sei. Au den Pascha möge derKönig schreiben, daß Joseph die französischen Untertanen in derTürkei mit Übermut behandele. Bei beiden solle er daraufdringen, daß sie ihn wegen seines Hochmutes gebührend züchtigten.Als Mittel gab der französische Gesandte an die Hand, der Königmöge die Briefe vorlegen, die sich Joseph an ihn zu richtenherausgenommen hätte (wegen der Schuldforderung); das würdegenügen, dessen Stolz zu beugen und ihn streng bestrafen zulassen, da er als Untertan es gewagt, an die französische Majestätzu schreiben.*) Aber weit entfernt, ihn zu züchtigen, nahmen PrinzSelim und auch der regierende Sultan Josephs Angelegenheit inihre Hände und forderten dringend, daß der französische Hof dieSchuld au ihren jüdischen Günstling tilge. Heinrich II. und seinNachfolger hatten nämlich einen Einwand gegen Josephs so be-gründeten Anspruch geltend gemacht, welcher für die damalige —soll man sagen christliche? — Sittlichkeit charakteristisch ist. Gesetzund Religion verböten dem König, seinem jüdischen Gläubiger dieSchuld zurückzuzahlen, weil es Juden überhaupt nicht gestattet sei,in Frankreich Geschäfte zu machen, daß vielmehr alle ihre Gütervom König konfisziert werden dürften. Natürlich erkannten derSultan und sein Sohn eine solche Moral nicht an und drangen mithalber Drohung auf Befriedigung des Joseph Naßi. Der KönigKarl IX., zweiter Nachfolger dieses Königs, der die Anleihe beiGracia Naßi gemacht, war daher genötigt, einen besondern Botschafternach der Türkei zu senden, um womöglich Joseph Naßi in Ungnadezu bringen und so der Zahlung überhoben zu sein. Aber dieser,
*) 6imrriere, XsAoeisriou de Irr Urwies laus Is Uev-rM II x. 416.