362
Geschichte der Juden.
der den französischen Diplomaten an Schlauheit nicht nachstand,wußte alle ihre Ränke zuschanden zu machen. Selim bestand hart-näckig darauf, daß sein jüdischer Liebling befriedigt werde. Der
jüdische Dichter und Kaufmann Duarte Gomez (Salomo Usque), derSchützling der Dona Gracia, erhielt Vollmacht und Geleitsbrief, nachFrankreich zu reisen, um die Schuld einzufordern?) Joseph Naßistieg so sehr in Gunst beim Sultan Suleiman, daß dieser ihm einen
Strich Landes am Tiberiassee in Palästina schenkte, um die Stadt
Liberias unter eigener Herrschaft aufzubauen, mit der ausdrücklichenBewilligung, daß nur Juden darin wohnen sollten. Die Schenkungs-urkunde wurde vom regierenden Sultan, vom Thronfolger Selimund von dessen Sohn Murad unterzeichnet, damit sie auch in fernererZeit Gültigkeit behalten und nicht angefochten werden sollte?) Selimschlug seinem Vater vor, Josephs Dienste noch mehr zu belohnenund ihn zum souveränen Fürsten der Insel Naxos und einigeranderer Inseln zu machen.») Aber dagegen scheint der VezierMohammed Sokolli, ein christlicher Renegat, welcher die wachsendeMacht des jüdischen Günstlings mit scheelen Augen ansah, dagegen ge-arbeitet und den Plan Hintertrieben zu haben. Der liebenswürdigePrediger Mose Almosnino aus Salonichi, der in Naßis Haus ver-kehrte, hatte bereits einen lebhaften Traum von der außerordentlichenRangerhöhung desselben und teilte ihn ihm mit einer Ausarbeitungüber die Träume mit. — In diplomatischen Kreisen flüsterte maneinander zu, Joseph Naßi werde König der Juden werden, und derfranzösische Gesandte in Konstantinopel beeilte sich, diese überraschendeNeuigkeit seinem Hofe mitzuteilen.
Nun, König ist er zwar nicht geworden, aber doch ein Fürst.Nach Suleimans Tode, als Selim II. in seine Hauptstadt einzogund die Huldigungen entgegennahm (1566), und auch Joseph beiihm zum Handkusse zugelassen wurde, ernannte er ihn auf der Stellezum Herzog von Naxos und der zykladischen Inseln Andros, Paros,Antiparos, Melo, in: ganzen zwölf, die er ihm nach und nach schenkte,wovon er nur einen geringen Tribut zu leisten hatte. Außerdemüberließ er ihm die Pacht der einträglichen Steuer, welche von derEinfuhr von Weinen auf dem schwarzen Meere erhoben wurde. Sodurfte ein Jude ebenfalls seine Befehle im pompösen Stile erlassein„Wir, Herzog des ägüischeu Meeres, Herr von Andros."^) Joseph
>) Lliarrisrs, das. p. 773 Note. S. Note 7 I.
Das. p. 736; Joseph Kohen, Lmelr Im-Laeba p. 128.
Almosnino, Lxlrsmos Krauäesas äs Ooustautinopla p. 77.
Bei Curtius a. a. O., Ende; aus den Papieren der Erben des Coronello.welcher Josephs Statthalter auf Naxos war, eine Schenkungsurkunde aufPergament, halb Lateinisch und halb Italienisch: äo8spbns Xnci, Osi 6ratia