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Geschichte der Juden.
Ansehen stieg aber noch mehr durch einen günstigen Zufall. Nach-dem Suleiman seinen ältesten Sohn Mustafa wegen Verschwörunggegen sein Leben und seine Krone hatte hinrichten lassen, warenzwei Prinzen als mutmaßliche Thronfolger geblieben: Selim, seinfriedlicher, sanfter, die Genüsse liebender, aber doch edel empfinden-der Sohn von der Russin Roxvlane, und Bajazid (Bajazet), seinkriegerischer, ungestümer, jüngerer Sohn, der Liebling der Kriegerund der Ehrgeizigein Suleimcms Plan, den jüngern den: alternvorzuziehen, wurde durch Ränke vom Harem und andern Kreisenaus durchkreuzt. Bajazid ließ sich durch seine Natur zu unbesonnenenHandlungen, zum Ungehorsam gegen seinen Vater und zum Kriegegegen seinen Bruder Hinreißen (1556—59). Er wurde geschlagenund mußte nach Persien entfliehen. Selims Nachfolge schien ge-sichert, wem: Suleiman seinen rebellischen Sohn Bajazid überlebte.Aber wenn er früher stürbe, und der kriegerische Prinz von demHeere als Nachfolger ausgerufen würde? Dieses Bedenken fühltendie berechnenden Höflinge und mochten sich nicht durch Parteinahmefür Selim in den Augen seines Bruders ihre Laufbahn verderben.Sie hielten sich daher von Selim fern und redeten ihm auch nichtbei seinem Vater das Wort. Nur Joseph Naßi vertrat warm SelimsInteresse bei dessen Vater, und als dieser jenem seine Gunst durchein reiches Geschenk von 50000 Dukaten baren Geldes und 30000in Wertsachen bezeugen wollte, wühlte er seinen jüdischen Günstlingzum Überbringer derselben nach Selims Residenz in Kleinasien(1558—59). Der Prinz, hocherfreut über Geschenk und Gunst-bezeugung, wurde von der Stunde an dem Botschafter und Über-bringer hold und sicherte ihn: lebenslang seine Dankbarkeit zu?) Wiees scheint, wurde Joseph Naßi dem Prinzen Selim als vertranterRatgeber beigegeben, um ihn vor den Schlingen zu sichern, welchedie höfischen Ränkeschmiede während des Bruderkrieges ihm zu legennicht unterließen. Seit dieser Zeit machte Selim den jüdischen Beyzu seinen: Liebling und Vertrauten und ernannte ihn zum Edelmannder Leibwache (Mutafarrica), eine Würde, wonach selbst christlicheFürstensöhne gierig haschten, und womit ein hoher Gehalt verbundenwar. Auch dem Bruder seines Günstlings, Samuel Naßi, derdurch Suleimans Machtgebot von dein Herzog von Ferrara freige-lassen werden mußte (o. S. 341), bestimmte Selim ein Jahrgehalt,Die Gesandten der christlichen Höfe sahen mit Ingrimm den wachsen-den Einfluß eines jüdische:: Günstlings, der alle ihre Schliche kannte,auf den künftigen Sultan und verbreiteten daher die lügenhaftesten
') Dieser Umstand war die erste Stufe zu Josephs Gunst bei Selon; dasFaktum kommt nur bei dem Zeitgenossen Serono, 6ommentarii äella Oneirs<li 6ipro p. 7 vor.