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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Joseph Naßi.

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Juden in der Türkei zu einer freien und geachteteu'Stellnng, um diesie ihre miuderzähligeu, geächteten Bruder im christlichen Europa be-neiden durften. Zähneknirschend sahen die jndenfeindlichen christlichenMachthaber ihre Pläne hier und da von jüdischer Hand durchkreuztund ihre inneren Verwicklungen nur noch mehr verknotet und ver-schlungen. Der getretene Wurm konnte seinen Peinigern denn dochunangenehm werden. Joseph Naßi oder Joäo Miqnes,der geächtete Marrane aus Portugal, machte manchem christlichenHerrscher und Diplomaten unruhige Stunden, und sie mußten inknechtischer Gesinnung dem schmeicheln, den sie, wenn seiner habhaftgeworden, wie einen räudigen Hund totgeschlagen hätten. Die erlauchteRepublik Venedig, das allmächtige Spanien, das aufgeblasene Frank-reich und selbst das hochmütige Papsttum sah sich von ihm bedroht.

Joäo Miqnes oder Don Joseph NaßiZ) bei seinein Eintreffen inKonstantinopel mit Empfehlungsschreiben von französischen Staats-männern dem türkischen Hof empfohlen, hatte sich noch mehr durchsein einnehmendes Äußere, seinen erfinderischen Geist, seine Er-fahrung und Kenntnis der christlich-europäischen Länder und ihrerpolitischen Lagen empfohlen. Bei Sultan Suleiman, der sich aufMenschen verstand, stand er bald in Gunst. Er hatte weitreichendePläne, auch mit Spanien einen Kriegstanz zu beginnen, und denMohammedanern an der afrikanischen Küste Hilfe gegen die Scheiter-haufenschürer zu senden. Durch seine Reichtümer und die Anhäng-lichkeit seiner Glaubensgenossen in den christlichen Ländern erfuhrJoseph Naßi vieles, was sich an den christlichen Höfen zutrug,und konnte die Wahrheit über den Stand der politischen undkriegerischen Angelegenheiten dein Sultan berichten, ohne daß dieseres nötig hatte, Spione zu unterhalten, oder sich von den christlichenGesandten an seinem Hofe täuschen zu lassen. Don Joseph konnteihm mit klugem Rate beistehen. So wurde er als fränkischer Beyin kurzer Zeit eine hervorragende Persönlichkeit in Konstantinopelund konnte seinen Glaubensgenossen wesentliche Dienste leisten. Sein

9 Bergt, über ihn oben S. 333 f. Nachrichten über diesen Staatsmannkommen in fast allen zeitgenössischen diplomatischen Berichten und historischenDarstellungen vor, namentlich in italienischen und französischen, selbstverständlichauch in jüdischen Relationen. Es gibt jetzt mehrere Monographien über ihn.Abgesehen von der unvollständigen und zum Teil verfehlten Behandlung vonErnst Curtins (Naxos, ein Bortrag für den Berliner Wissenschaft!. Berein,1846 S. 4Vfg.) und in Ersch. und Grnber, Enzyklvp. (Il 27. S. 202 fg.) habensuccessive mehr Material zusammengetragen: Carmoly, von llosspd, clne äsiiaxos (1855), Graetz, in Wertheimers Wiener Jahrbuch 1856, und zuletztM. A. Levi, Don Joseph Nassi (1859). Ich verweise im allgemeinen ausdiese Monographien, und nur bei prägnanten oder bisher nicht genug betontenTatsachen führe ich die Grnndguelle an.