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Geschichte der Juden.
Unter den humanistischen Päpsten Leo X., Clemens VII. und be-sonders Paul III. waren sie nämlich von den Beamten des Kirchen-staates außerordentlich begünstigt worden. Die Kurie hatte durch derenGeschäftsumsatz fast ihre einzige Einnahmequelle in dieser Enklave,denn die Juden von Avignon, Carpentras und anderen Städten be-saßen große Reichtümer, Güter aller Art und sogar Äcker. Sie hattendas Privilegium, einen hohen Zinsfuß zu nehmen, wodurch Schuldnerallerdings Gelegenheit hatten, sich zu ruinieren. Zwei reiche Brüder,Samuel und Bondian Crescas in Carpentras, standen inhohem Ansehen bei den päpstlichen Behörden, waren vielleicht garFinanzmeister und durften sich viel gegen Juden und Christen heraus-nehmen?) Nun wurden sie samt und sonders verbannt. In Car-pentras durften sechs reiche jüdische Familien mit ihren Dienern nochzwei Jahre weilen, um ihre ausstehenden Schulden einzuziehen. Aberihre Kinder durften sie nicht bei sich behalten?)
Tie meisten Juden des italienischen und französischen Kirchen-staates wanderten wie alle aus unduldsamen christlichen Gebieten Ver-wiesene nach der Türkei und fanden dort die beste Aufnahme, wennsie sie glücklich erreichen konnten und nicht unterwegs von dem malte-sischen Raubritterorden anfgefangen und gemißhandelt wurden?) Esschien damals mit den Juden im christlichen Europa zu Ende zu gehen.Überall Haß, Verfolgung und Ausweisung. In den katholischen Ge-bieten der Fanatismus des zelotisch gewordenen Papsttums und inprotestantischen Ländern die Engherzigkeit und Verblendung des vonseiner Höhe zum albernen Schulgezänk herabgesunkenen Luthertums.Beide schienen den oft ausgesprochenen Gedanken der Erzjudenfeinde,daß die Juden im Abendlande nichts zu suchen hätten, verwirklichenzu wollen. Ausnahmsweise erhielten noch die ehemaligen Scheinchristenaus Portugal und Spanien, auf welche die päpstliche Inquisitionunerbittlich fahndete, eine Zufluchtsstätte in Savoyen — für Gold.Der Herzog dieses Landes, E m a n u e l Pbilibert, war zwarnichts weniger als judenfreundlich. Er bedrohte die winzigen Ge-meinden in seinem Lande mit Ausweisung, ließ sich indes einmal fürdie Summe von 2000 Dukaten und eine jährlichen Abgabe von 1500 Du-katen bewegen, sie zu dulden?) Seine Geldgier benutzten portugiesischeund spanische Marranen, ihn anzugehen, ihnen zu gestatten, in seinemLande zu weilen. Ihre Kapitalien, Gewerbfleiß und Handwerks-
i) Vergl. Laäolsii exi8eoxi Larpsutoeiutsusis sxi8t. XII, 17; XIII, 3und Iie8pi>. Isaak de Lates, x. 3: (vnpv'ip m'mn 78„:w)
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