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Geschichte der Juden.
Aber auch dieses wenige wurde den Juden des Kirchenstaatesentrissen, als Pius IV. einen Nachfolger erhalten hatte, welcher diedüstern mönchischen und unduldsamen Satzungen höher als Menschen-glück und Menschenleben achtete und die kirchliche Richtung Caraffasund seiner Genossen auf die Spitze trieb. Pius V. (1566 bis 1572)überbot noch sein Vorbild Paul IV. an Verfolgungssucht und Grau-samkeit; denn jener hatte noch neben kirchlichem Eifer ein warmesInteresse für die Unabhängigkeit Italiens und mußte öfter das Kirch-liche dem Politischen hintansetzen. Pius V. dagegen, an dein jederZoll ein Dominikanermönch war und der nichts von Politik verstand,opferte Menschen und Interessen dem einen Götzenbilde, der Unantast-barkeit des päpstlichen Stuhles. Ein Gemisch von Einfachheit, Edelmut,Strenge gegen sich selbst und hingebender Frömmigkeit mit herberUnduldsamkeit, bitterm Hasse und blutiger VerfolgnngssuchtZ) hättePius V. gern die ganze Erde in ein großes Kloster und alle Menschen insich kasteiende, grämliche, himmelnde Mönche und Nonnen umgewandelt.Ihm tat die Inquisition nie genug, so viel der Opfer auch waren,welche dieser Moloch in seiner Zeit verbrannte. Selbst die strengstenKatholiken schienen ihm nicht rechtgläubig genug, wenn sie in einemunbedeutenden Punkte von dein Glaubensbekenntnisse abwichen,welches das tridentinische Konzil verknöchert hatte; sie wurden insFeuer oder in den Kerker geworfen. Er war eine Zeitlang selbst Groß-inquisitor gewesen, und sein Ohr war gegen die Wehklagen der zumTode verdammten Opfer stumpf geworden. Die Juden haßte dieserPapst nicht weniger als die deutschen Protestanten, die schweizerischenCalvinisten und die französischen Hugenotten. Sie empfanden bald dasHerbe der neuen Kirchlichkeit. Drei Monate nach seiner Inthronisation(19, April 1566) bestätigte er nach allen Seiten hin die BeschränkungenPauls IV. gegen sie, verschärfte sie noch inehr und setzte die Milderungseines Vorgängers außer Kraft, als wenn sie gar nicht verordnet ge-wesen wäre. Also abermals Ausschließung vom Verkehr mit Christen,Verbot, Grundbesitz zu haben, andere Geschäfte als Trödelhandelzu treiben, Einschärfnng, Judenabzeichen zu tragen, und Verbot inehr alseine Synagoge zu besitzen. Aber nicht nur gegen die Juden des Kirchen-staates erließ er diese Verordnungen, sondern auch gegen die der ganzenkatholischen Welt?) Denn damals, in der Zeit hämisch-kirchlicherReaktion gegen den Protestantismus, hatte des Papstes Wort einenganz andern Klang als früher und fand willige Vollstrecker. So träte»abermals trübselige Tage für die Inden der katholischen Länder ein.
>) Ranke, Fürsten und Völker II S. 373.
") Seine Bulle im Lullurinin »Männin Roinanuiu: non solum in tsrrisnostris, ssä stiam ubiqne loeorniu; auch bei Joseph Kohen a. a. O. p. 13»und bei seinem Kontinuator p. 138.