Mißhandlung der Juden von Bologna. 353
Namentlich wurden damals die mailändischen Gemeinden besondersgeplagt, da dort der Statthalter des spanischen Königs Philipp II.regierte, jenes düstern Tyrannen, der an dein Anblick gefolterter undverröchelnder Juden und Ketzer Freude fand. Er hatte seinen Statt-halter öfter angewiesen, die Juden ans dem Mailändischen zu ver-treiben. Die Ausweisung ist zwar unterblieben, aber andere Plackereienwurden über sie verhängt, und die Inquisition konfiszierte wiederjüdische Schriften in Cremona und Lvdi. Der überkirchliche KardinalCarl Borromev, den die Kirche heilig gesprochen, ließ es eben-falls nicht an Feindseligkeiten gegen die Juden fehlen?) Auch ver-jagte in dieser Zeit (15. Juni 1567) das stets judenseindliche Genuadie wenigen Juden wieder aus seinen: Gebiete. Eine Ausnahmesollte mit den: jüdischen Arzte und Geschichtsschreiber Jose P h K o h e ngemacht werden, der in Voltaggio weilte. Aber der edle Mann mochtekeine Gunst genießen, von der seine Stammgenossen ausgeschlossenwaren. Er teilte ihr Los und wanderte nach Casteletto (in Monferrat)aus, wo er von den christlichen Bürgern freundlich ausgenommen wurde?)
Immer neue Leiden hatte Joseph Kohen im Alter in sein „Jahr-buch der Verfolgungen" einzutragen, immer neue Tränen seinerVolksgenossen in seinen: „I a n: n: ertal e" (Lmsb Im ttaoba) zusammeln. Der geistliche Wüterich Pius V. gab öfter Gelegenheit dazu.Unter den: Vorwände, die Juden des Kirchenstaates hätten die voi:ihm eingeschärfte:: kanonischen Gesetze übertreten, ließ er viele vonihnen in Kerker werfen und ihre Schriften aufsuchen und verbrennen.Namentlich wurde der wohlhabenden Gemeinde von Bolognahart zugesetzt; es war auf ihr Vermögen abgesehen. Um einen gesetz-lichen Grund für den Raub zu haben, wurden mehrere Reiche in Kerkergeworfen (1567) und ihnen dann in einen: förmlichen Verhör vor einen:Jnquisitionstribunal verfängliche Fragen über das Christentum vor-gelegt, z. B. ob die Juden die Katholiken als Götzendiener betrachten,ob die Verwünschungsformel gegen „die Minäer" und „das Reichdes Frevels" im Gebete sich auf Christen und das Papsttum bezöge,und besonders ob die Erzählung in einer wenig gelesenen Schrift voneinen: „Bastard, Sohn einer Verworfenen" auf Jesus anspiele. Eingetaufter Jude Alessandro hatte die Anklagepunkte zusammen-gestellt, und darauf hin wurden die Eingekerkerten unter Anwendungder Folter befragt. Einige derselben erlagen den Qualen der Folterund gestanden alles ein, was das Bluttribunal von ihnen verlangte.Nur der Rabbiner von Bologna, namens Jsmael CH anina,hatte den Mut, während der Folterung zu erklären, falls er in derBetäubung der Schinerzen Geständnisse machen sollte, diese in: voraus
') Joseph Kohen das. p. 129 fg.
Graetz, Geschichte der Juden. IX.
-) Das. p. 131.
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