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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

kollegium dieser Zeit, aus drei unbedeutenden Männern bestehend,war so kraftlos, daß unter seinen Augen Verbrechen geschehen durften.Mit großer zynischer Offenheit wurden falsche Zeugen gesucht undgefunden. Auf Angeberei mußte sich jedermann gefaßt machen.Der Grund dieser trüben Erscheinung war wohl, daß bei der Zurück-berusung der Juden nach der zwei Jahrzehnte vorher stattgefundenenAusweisung nicht die bessergesinnten Juden, sondern nur die Hefewieder nach Prag zurückgekehrt war. Die Christen wurden gewißvon diesem jüdischen Gesindel vielfach übervorteilt. Aber schwerlichwaren die Christen derselben Klasse gesitteter und gewissenhafter. DieAnschauung war aber damals einmal so. Die christliche Gesellschaftübte gegen ihre Glieder große Nachsicht, an die Judenheit dagegen stelltesie die Anforderung der Tugendhaftigkeit und Rechtlichkeit mit äußersterStrenge. Über die zweite Austreibung der Juden aus Prag wurdeübrigens lange verhandelt, denn selbst die Erzherzöge, die sich damalsim Lande befanden, waren entschieden dagegen; sie erfolgte aberdennoch (1561)?) Die Abziehenden wurden von Raubrittern über-fallen und ausgeplündert. Aber auch damals, wie nach der erstenAusweisung schien es, als wenn die Prager Christen oder wenigstensder Adel eine Sehnsucht nach den Juden empfände. Kaum warensie ausgetrieben, so geschahen schon wieder Schritte, sie zurückzurufen,und die Erzherzöge begünstigten sie. Ter Kaiser Ferdinand wies aberdas Gesuch um abermalige Zulassung der Juden unter dem Vorwändeoder mit aufrichtiger Einfalt ab, er habe geschworen, die Juden ausPrag auszuweisen und dürfe seinen Eid nicht brechen. Darauf unter-nahm ein edler Jude von Prag eine Reise nach Rom, um von dem neuenPapste Pins IV. der judenfeindliche Paulus IV. war bereits ge-storben die Entbindung des Kaisers vom Eide zu erwirken.

Dieser edle Mann war M a r d o ch a I Ze m a ch ben Gerschonaus der berühmten Druckerfamilie Soncin, deren Urahn Gersonoder Girolamo Soncino nicht bloß schöne hebräische, sondernauch lateinische Druckschrift gießen ließ und neben rabbinischen Schriftenauch Petrarcas Gedichte herausgegeben hat, und deren Glieder inmehreren Städten der Lombardei, in Konstantinopel und Prag jüdischeDruckereien mit vielein Erfolg betrieben?) Obwohl Mardocha't Zemachvon der Prager Gemeinde schwere Kränkungen an seiner Ehre erfahrenhatte, und seine verehelichte Tochter trotz ihrer Unschuld, eine zweiteSusanna, von falschen Zeugen des Ehebruchs bezichtigt und von

>) Quellen Mardocha't Jafa I. Eint.: nniQ lein; nun

mir'? . . . Gans das. I. Joseph Kohen das. und 137. von Herrmann,

Geschichte der Inden in Böhmen S. 41.

2) Zunz in Geigers Zeitschrift I. S. 38 fg. Erich und Gruber Enzykl. I.seet. 38 S. 42, Maskir I. 126 ff