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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Ausweisung der Juden aus Niederösterreich. 347

treiben und wie lange er daselbst zu weilen gedächte. Fremde Juden,die nicht K a m in e r g u t waren, mußten sich ebenfalls wegen einesZettels melden, durften aber nicht länger, als ihnen der Stadtrichterbewilligt hatte, dort bleiben. Auch sollten die Juden, österreichischewie fremde, nur in zwei Herbergen verkehren, und wem: sie anderswobetroffen würden, dafür schwer bestraft werden. Vergessen war nicht,daß sie während ihres Aufenthaltes in Wien zur Unterscheidung dieJudenabzeichen tragen müßten. Inmitten dieser Unduldsamkeitzeigt sich indes ein Zug der Milde in Ferdinands Verfügung. Das Dekretzur Beschränkung der inländischen Juden von: Lande sollte nicht öffentlichbekannt gemacht werden, .,weil ihnen dadurch auf dein Lande, in Dörfernund Märkten, bei den: gemeinen Manne große Verachtung, Unwillenund Gefährlichkeit zngezogen werden könnte, und leichtfertige Christenvorgeben könnten, den Juden wäre die Stadt Wien wegen großerVerbrechen und Übeltaten verboten". Die Anzeige von der Verfügungsollte den jüdischen Vorstehern geinacht werden, damit diese die andernunter einander vor Übertretung warnten. Dagegen sollte die Beschrän-kung der auswärtige:: Juden öffentlich bekannt gemacht werde::;wenn diese voi: leichtfertigen Personei: gefährdet werden sollten,hätte es nicht so viel auf sich?) Dieser Beschränkung der Juden ließFerdinand andere folge::, bis er ihre Ausweisung mit ihre:: Weibern,Kindern, Gesinde, Hab und Gut ans den: Lande Niederösterreichund Görz bis zum nächsten Johannestage befahl?) Sie erhielten zwarnach und nach Aufschub zur Auswanderung auf zwei Jahre, aber dochmußten sie endlich den wandernden Fuß in die Fremde setze::?)

Dasselbe Los dachte Kaiser Ferdinand auch der alten Gemeindevon Prag zu. Was die Veranlassung dazu gewesen sein mag, ist jenachdem leicht oder schwer zu erraten. Die Prager Gemeinde standdamals bei ihren Schwestern in sehr üblen: Rufe, als niedrig, hab-süchtig, gewissenlos, gewalttätig und streitsüchtig. Selbst vor Meineidschreckten viele Gemeindemitglieder nicht zurück. Die Vorsteher undihre Verwandten durften sich alle Ungerechtigkeiten erlauben, und dieBedrückten erhielten kein Recht. Um die Besetzung der Rabbinenund die Wahl der Vorsteher entstanden regelmäßig so heftige Streitig-keiten, daß auf des Kaisers Veranlassung die angesehensten RabbinateDeutschlands und Italiens eine Wahlordnung für die Gemeinde vonPrag ausarbeiten mußten, Me: r von Padua, Jakob vonWo r ins (Oberrabbiner sämtlicher deutschen Gemeinden) undElieser Treves in Frankfurt a. M?) Das Prager Rabbinats-

h Urkunden von 1S48 bei Wertheimer,'Juden in Österreich I, S. IlOfg.

2) Das. S. 118 von 1554. b) Das. und S. ig 4 »on izzg.

ch Wolf Aktenstücke, Maskir, Jahrgang 1861. S- 151, Note.