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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Schrift zu kritisieren, wurde er in den Kerker geworfen?) GetaufteJuden, Sixtus Seneusis und Philip p oder Joseph Morv ,zogen auf seinen Befehl in den Gemeinden des Kirchenstaates umherund quälten die Juden mit ihren aufreizenden Predigten. Der letzteredrang einst mit einem Kruzifix, das die Juden nun einmal als Götzen-bild betrachteten, am Versöhnungstage (1558) in die Synagoge vonRecanate und stellte es mit Ungestüm in die Lade, wo dieheiligeThora" aufbewahrt wurde. Als die Inden ihn wegen Verletzung ihresHeiligtums hinansdrängten, versammelte er den wütenden Pöbelum das Gotteshaus, und zwei Juden, welche Hand an ihn gelegt hatten,wurden auf Befehl des Stadthauptmanns gefesselt und gegeißelt?)Am meisten aufgebracht war dieser leidenschaftliche Papst gegen Marranenund Talmud. Die ersteren suchte er in den entlegensten Schlupf-winkeln auf. Viele Scheinchristen Spaniens und Portugals, diesich nicht durch die Flucht retten konnten, pflegten nämlich in einenMönchsorden zu treten und heulten sozusagen mit den Wölfen, umvon ihnen nicht angefallen zu werden. Den Jesuitenorden, der inkurzer Zeit die älteren Orden bei weitem überflügelt hatte, zogen dieMarranen vor, weil sie da, wo feine Köpfe Wert hatten, eher Gelegenheitfanden, die Listigsten zu überlisten und ihren Leidensgenossen Dienstezu leisten. Tie spanische Regierung unter dem düstern Philipp II., KarlsSohn, begünstigte daher die Jesuiten nicht; sie fürchtete mit Recht oderUnrecht, die vielen Scheinchristen in ihren Reihen könnten sich einmalwegen der vielen erlittenen Mißhandlungen rächen?) Auch in Fran-ziskanerkutten hüllten sich die Marranen, sie schlichen sich in die Winkelihrer Feinde. Paul IV., bei dem über die Aufnahme von Jnden-christen in Mönchsorden geklagt wurde, verbot Mitglieder von jüdischemGeblüt in Orden aufzunehmen?)

Mit dein Talmud hatte er noch gründlicher aufgeräumt; es gabim Kirchenstaat und in dem größten Teil Italiens kein Talmudexemplarmehr, die Besitzer eines solchen waren einer schweren Strafe aus-gesetzt. Die Lehrhäuser hatten meistens anfgehört. Es wäre, wenndieser Zustand allgemein geworden wäre, eine große Unwissenheitund Stumpfheit unter den italienischen Juden eingerissen, die denEndzweck des Papstes, die Bekehrung derselben, leicht gefördert hätten.Es entstand aber damals ein großes Lehrhaus und ein Asyl für denverfolgten Talmud in einer oberitalienischen Stadt, in Cre in ona ,die zu Mailand gehörte. Dort hatte unter dem Statthalter von Mailandein aus Deutschland eingewanderter Talmudkundiger Joseph

U Wolf, Libliotbees, III, p. 18!.

2) I. Kohen a. a. O. p. 120.

°y Ranke, Fürsten und Völker Slldeuropas II. S. 369.

->) Italienische Information Note 6.