Ausweisung der Marranen aus Pesarv. 341
noch berieten, trat zum großen Schmerze der Dona Gracia und ibrerAnhänger endlich doch das ein, was sie befürchtet hatte. Der HerzogGuido Ubaldo, welcher seine Erwartung getäuscht sah, seine HafenstadtPesaro zum Mittelpunkte des levantinisch-jüdischen Handels erhobenzu sehen und von dem Papste in judenfeindlichem Sinne bestürmtwurde, wies die in Pesaro aufgenommenen Marranen wieder aus(März 1558). Man muß es ihn: indes noch hoch anrechnen, daß ersie nicht den Schergen der Inquisition überliefert hat. Die Aus-gewiesenen steuerten auf gemieteten Schiffen meist ostwärts. Diepäpstliche Schiffspolizei lauerte ihnen aber auf, und sie entkamen nurmit Not. Einige von ihnen gerieten in Gefangenschaft und wurden alsSklaven behandelt?) Ter ebenso geschickte wie menschenfreundlichemarranische Arzt Amatus Lusitanus, der eine kurze Zeit in Pesaro ge-weilt und dann in Ragusa vielen Christen das Leben gerettet oder dieGesundheit wiedergegeben hatte, mußte ebenfalls die christliche Erde ver-lassen und nach der fast jüdischen Stadt Salonichi auswandern (1558 bis1559)?) Auch den Marranen in Ferrara scheint dieses Jahr Unglückgebracht, und der Herzog ihnen den Schutz entzogen zu haben, denn dieDruckerei des Abraham Usque wurde in diesem Jahre eingestellt?) DerKardinal Michele Ghislieri, nachmaliger Papst Pius V.,welcher zu der zelotischen, mönchischen Partei gehörte, richtete einSchreiben an diesen Herzog mit der Aufforderung den DichterlingJakob da Fano, welcher den Märtyrertod der Marranen in Anconain Versen verherrlicht (o. S. 328), und den Druckereibesitzer, der sieveröffentlicht hatte (Abraham Usque?) zu bestrafen, da doch die Ketzergerechterweise verbrannt worden seien?) Joseph Naßis Bruder,D o n S a m u e l N a ß i, welcher die Geschäfte des Hauses in Ferraraleitete, wurde von dem Herzog Ercvle so sehr chikaniert, daß jenererst die Vermittlung des türkischen Hofes anrufen mußte, um freieÜbersiedlung nach Konstantinopel zu erlangen?) Ein drohender Blickdes ungläubigen Sultans vermochte mehr bei den christlichen Fürstenals die Stimme der Gerechtigkeit und Menschlichkeit.
Je mehr sich der Papst Paul IV. dem Grabe näherte, desto rasenderwurde er gegen die Juden. Weil ein Jude, David d'A scoli, esgewagt hatte, das Dekret des Papstes, gelbe Hüte zu tragen, in einer
9 Joseph Kohen, Umsk Im-Uaolm p. 119.
9 Seine VI. 6sntnria ist in Ragusa geschrieben; 1558 nahm er Abschiedvon seinen italienischen Freunden. Die VII. Lentnrm 1559 schrieb er schonin Salonichi.
9 De Rossi, <ls 1?'pooMpI>ia. Uebraeo-Vsrrarsnsi p. 14.
9 Veroso in Uevns <l. Kt. XI, 150.
9 v. Hammer, Geschichte der Osniane» III, S. 364, Note.