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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

spanischen Gemeinden, und ein Rabbiner einer deutschen Gemeinde-gruppe. Jener erklärte, er könne es nicht über sich gewinnen, dem ge-wünschten Beschlüsse seine Unterschrift zu geben, bis er die Überzeugunggewänne, daß die in Ancona wohnenden Juden dadurch keinerlei Gefahrausgesetzt würden; sonst hieße es das Leben der einen durch das Leben derandern retten zu wollen. Für ihn war das Sendschreiben des RabbinersMose Basnla maßgebend, daß den Juden von Ancona eine größereGefahr drohe, falls der Beschluß ausgeführt würde. Josua Svncinwar entrüstet darüber, als einige Speichellecker der Dona Gracia hin-warfen, auf das Zeugnis des Mose Basnla sei nichts zu geben; er seimöglicherweise von den anconesischen Kaufleuten bestochen worden.Darüber rief jener Weh aus, ob denn die Rabbinen, die Lehrer derThora den katholischen Priestern (damaliger Zeit) gleichzusetzen wärendaß sie ans Eigennutz handelten! Josua Soncin schlug daher vor,einen eigenen Eilboten nach Italien, namentlich nach Paduaan den allgemein geachteten, gewissenhaften Rabbinen Me krK a tz e n e l l e n b o g e n zu senden, damit dieser, in der Nähe desSchauplatzes, darüber endgültig entscheiden sollte, auf welcher Seiteeine größere Gefahr zu befürchten sei; er selbst wolle die Kosten desSendboten tragen. Sv sehr auch Josua Soncin Joseph Naßi zugetanwar und so sehr er Dona Gracia bewunderte, so mochte er doch nichtaus Liebedienerei sein Gewissen beschweren und ans den Vorschlag ohneweiteres eingehen. Er erklärte rund heraus, er könne vor der Handsich nicht an dem Beschlüsse beteiligen. Auch der Rabbiner der deutschenGemeinde versagte den Beschluß in seiner Synagoge bekannt zu machen,und opferte dadurch seinen Jahrgehalt, den er von Joseph Naßi bezog.Denn dieser, obwohl von edler Gesinnung, konnte keinen Widerspruchvertragen, war ein wenig gewalttätig und mag in dieser AngelegenheitRecht gehabt haben, da er den Herzog Guido Ubaldo besser als dieRabbinen kannte und wenig auf dessen Judenfreundlichkeit rechnete,wenn derselbe keinen Gewinn davon ziehen würde. Da nun in derHauptgemeinde Konstantinopels kein einstimmiger Beschluß zustandekam, so waren die jüdischen Kaufleute der übrigen türkischen Gemeindenfroh, ihren Handel nach Ancona fortsetzen zu können. Vergebensforderte Dona Gracia, die es als eine Herzensangelegenheit betrachtete,den Marranen in Pesaro Vorschub zu leisten, ein Gutachten von demRabbinate der Gemeinde Safets, das durch dessen zwei Vertreter,Joseph Karo und Mose di Trani, die höchste Autorität inder morgenländischen Judenheit genoß. Der Bann der Rabbinen überden Papst Paul IV. trat nicht in Wirksamkeit.i) Während die Rabbinen

>) Josua Soncin, RssM, Nr. 39, 40; Rssxx. Jbn-Lab II p. 63; Lssxx.Mose di Trani I Nr. 237.