Uneinigkeit der Rabbinen bezüglich des Racheplanes. 339
tigen Marranen aller Länder in seinem Staate das Judentum offenbekennen dürften.
Inzwischen hatte die Entrüstung der türkischen Juden gegen denPapst vielfachem Bedenken materieller Art Platz gemacht. Diejüdischen Kaufleute, welche ihre Schiffe nach Pesaro geschickt hatten,fanden, daß der dortige Hafen nicht dieselbe Sicherheit bot, wie dervon Ancona. Guido Ubaldo hatte zwar versprochen, ihn zu ver-bessern; aber daraufhin mochte der jüdisch-levantinische Handels-stand seine Kapitalien nicht wagen. Aller Augen waren daher aufdie Hauptgemeinde von Konstantinopel gerichtet; dorthin hatten dieübrigen Vertreter der Handelsplätze Salonichi, Adrianopel, Brussa,Aulona, Morea Schreiben gerichtet, die Angelegenheit wohl zu erwägenund ihre Interessen zu berücksichtigen. Hier hatte natürlich DonaGracia und Joseph Naßi die Hauptstimme, und sie waren von vornherein entschieden dafür, den unmenschlichen Papst empfindlich zuzüchtigen. Sie hatten zugleich allen ihren Agenten die Weisung er-teilt, die Waren ihres Hauses nach Pesaro zu expedieren. Auch dieportugiesischen und ein Teil der spanischen Gemeinden in der Türkeiwaren sofort damit einverstanden, einen durchgreifenden Beschlußzu fassen und unter Androhung des Bannes der jüdischen Handelsweltzu verbieten, Geschäfte nach Ancona zu machen. Es zeigte sich aber inKonstantinopel selbst eine kleine Opposition, indem ein Teil der Kauf-leute seine Interessen durch die Bevorzugung von Pesaro zu gefährdenfürchtete. Die Sache lag also in der Hand der Rabbinen von Kon-stantiuopel; wenn diese sich einstimmig dahin aussprächen, daß aus Rück-sicht auf die nahe Gefahr der pesnrener Marranen der Hafen von Anconazu meiden sei und die Übertreter dieses Verbotes dem Banne verfallensollten, so würde ihre Autorität ins Gewicht fallen und den Ausschlaggeben. Die Rabbinen von Salonichi und den übrigen großen türkischenGemeinden würden ihnen unfehlbar Nachfolgen. Gracia und JosephNaßi bewogen daher den von ihnen unterstützten Rabbinen JosephIbn - Lab , die übrigen Rabbinen der verschiedenen KonstautinopelerGemeindegruppen zn bestimmen, sich für die Züchtigung des Papstesauszusprechen. Anfangs hatte auch ihr Vorhaben einen guten Fort-gang. Drei Rabbinen, die Spanier Salomo Jbn-Billa undSamuel Saba, sowie ein rvmaniotischer, der angesehene GreisA brahamIe r u s ch a l m i auf seinem Sterbebette, Unterzeichnetenden gefaßten Beschluß. Jbu-Lab hatte ein rabbinisches Gutachtendarüber ausgearbeitet, worin er es nach dem Wunsche Dona Graciasals selbstverständlich hinstellte, daß ein allgemeines Verbot erlassenwerden müßte, nach dem päpstlichen Ancona Geschäfte zn machen.
Aber zwei Rabbinen waren gegen einen solchen Beschluß, IosuaSoncin, ein eingewauderter Italiener, aber Rabbiner einer der