Racheplan der Juden gegen Papst Paul IV. 337
knirschend gehorchen, die Juden aus der Türkei in Freiheit setzen undungefährdet abreisen lassen. Die übrigen, die keinen mächtigen Schützerhatten, wurden, wie erzählt, verbrannt. Dafür wollten die Judensich empfindlich au dem Papst rächen, und sie rechneten dabei auf dietatkräftige Unterstützung der Doüa Gracia und ihres Schwiegersohnes.
Der Handel der türkischen Juden war sehr bedeutend, alles gingdurch ihre Hände, sie konkurrierten mit den Venezianern und sandtenihre eigenen Schiffe und Galeeren aus?) Die jüdisch-levantinischeuKaufleute hatteu bis dahin, um den Venezianern den Rang abzulaufen,den Hafen von Ancona als Stapelplatz für ihre Waren, die von derTürkei nach Europa und umgekehrt gingen, benutzt. Der Herzog GuidoUbaldo von Nrbino hatte die aus Ancona geflüchteten Marranen inPesaro nur deswegen ausgenommen, weil er darauf gerechnet hatte,daß der sogenannte levantinische Handel in den Händen der Judenseiner Hafenstadt zugeweudet werden würde. Die Gemeinde von Pesaround besonders die marranischen Flüchtlinge ließen sich daher angelegensein, ein Sendschreiben an sämtliche türkische Gemeinden, welche inGeschäftsverbindung mit Italien standen, ergehen zu lassen, ihreWaren nicht mehr nach Ancona, sondern nach Pesaro zu senden.^)Von Pesaro wurde eigens ein Sendbote Juda Farag nach derTürkei beordert, um mündlich zu ergänzen, was sie dem Papier nichtanvertrauen wollten und um ihrem Vorschläge Nachdruck zu geben.In der ersten Aufwallung der Entrüstung über die Untat des PapstesPauls IV. stimmten viele levantinische Gemeinden diesem Anträgezu (Ellul — August 1556) und inachten miteinander ab, ihn empfindlichzu strafen, ihm die bedeutenden Einnahmequellen von dem levan-tinischen Handel vollständig abzuschneiden. Da aber eine solche Maß-regel nur ausführbar und wirksam sein konnte, wem: sämtliche nachItalien handeltreibenden Juden damit einverstanden waren, sagten dieZustimmenden vor der Hand ihre Mitwirkung nur auf acht Monate zu,nicht mehr in Ancona Geschäfte zu machen (bis März 1557), damitinzwischen die wichtige Angelegenheit, welche so tief in die Geschäfts-interessen eingriff, Wohl erwogen und die Zustimmung aller europäisch-türkischen Juden erzielt werde. Die besonders dabei beteiligten Judenvon Pesaro und die ehemaligen Marranen im türkischen Reich gabensich natürlich alle Mühe, einen gemeinsamen Beschluß, den Papst undseine Hafenstadt in den Bann zu tun, durchzusetzen. Es wurde dafürunter anderen geltend gemacht, der Herzog Guido Ubaldo habe nur in
>) Vlberl Relnsioni 8eris III 1. I x. 275, Bericht des venezianischenGesandten Marino Cavalli.
2) Die Sendschreiben der Pcsarenser an die Levantiner hat David Kauf-mann veröffentlicht Revue ü. Rt. XVI, 66 f. Bergt, über die Jnzidenzpunktedieses Faktums Kaufmann das. 6t f.
Graetz, Geschichte der Juden. IX.
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