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Geschichte der Juden.
'Erst in Konstantinopet trat Joäo Miques offen zum Judentum über, ^nahm den Namen Joseph Naßi an und heiratete seine reicheBase Reyna. Er war aber nicht allein dahin gekommen, sondern hatte'ein großes Gefolge von 500 Personen Spanier (Portugiesen) unditalienische Juden nachgezogen. Er trat dort gleich anfangs wie einFürst auf. Durch seine Gewandtheit, seine Kenntnis der europäischenVerhältnisse und seinen Reichtum wurde Joseph Naßi in den Hofkreiseingeführt und galt viel beim Sultan Suleiman. Aber seine edleSchwiegermutter blieb wie bisher die Hauptleiterin des großen Ver-mögens.
Bald empfanden die jüdischen Bewohner Konstantinopels diewohltätige Hand Dona Gracias und ihres Schwiegersohnes. Sieunterstützten die Armen, legten Bet- und Lehrhäuser an und setzten denLehrern des Talmud Jahrgehälter aus. Der aus Salonichi wegenerlittener Beleidigung und der Pest nach Konstantinopel ausgewandertespanische Rabbiner Io s e p h I b n - L a b erhielt seine ganzen Existenz-mittel von Gracia und Joseph Naßi. Aber nicht bloß auf Spanier undPortugiesen in der Türkei erstreckte sich ihre Mildtätigkeit, sondern auchauf Deutsche und über Konstantinopel hinaus.
Als daher die Nachricht einlief, der Papst Paulus IV. habe dieMarranen in Ancona einkerkern lassen, um sie früher oder später ver-brennen zu lassen, fühlte Dona Gracia einen brennenden Schmerz wieeine Mutter bei dem Unglück ihrer Kinder. Sie hatte sie alle wie Söhneund Brüder in ihr Herz geschlossen. Doch überließ sie sich nicht einemuntätigen Jammern, sondern handelte in Gemeinschaft mit JosephNaßi tatkräftig. Zunächst wandte sie sich an den Sultan Suleiman, jum ihn anzuflehen, wenigstens die Freiheit derjenigen marranischen !Juden aus der Türkei, welche in Ancona in Handelsgeschäften anwesendmit eingekerkert waren, zu verlangen. Sie war so glücklich, dieses Gesucherfüllt zu sehen. Der Sultan Suleiman richtete an den Papst einSchreiben (9. März 1556)*) in jenem hochmütigen Tone, den sich die-türkischen Herrscher im Gefühle ihrer Macht gegenüber der Zerfahrenheitder christlichen Fürsten erlaubten. Er beklagte sich, daß seine jüdischenUntertanen widerrechtlich eingekerkert worden, wodurch seinem Schatzeein reiner Verlust von 4000 Dukaten und außerdem eine noch größereEinbuße an Einnahmen erwachsen sei, weil die türkischen Juden dadurch !
geschädigt worden wären. Der Sultan bestand darauf, daß der Papst !
die zur Türkei gehörigen Marranen in Ancona sofort in Freiheit setzensollte, und ließ die Drohung durchblicken, daß er im Falle ungünstigerAufnahme seiner Vorstellung Repressalien an den unter seinem Zepterwohnenden Christen zu nehmen gedächte. Paul IV. mußte zähne-
*) Siehe Note 6.