Gracia Mendesia.
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denunzierte aber die jüngere Schwester ebenfalls als heimliche Jüdinund bewirkte, daß der französische Hof das Vermögen des HausesMendes in Frankreich mit Beschlag belegte. Die Schuld an dasselbeHaus zu zahlen, hielt sich der König Heinrich II. ebenfalls für überhoben.Indessen arbeitete die unglückliche Mendesia daran, die gegen sie undihr Vermögen geführten Schläge so viel als möglich abzuwenden.Ihr Neffe Joäo Miques spendete mit vollen Händen, um die Ver-luste abzuwenden, und seine edle Verwandte zu befreien. Entweder eroder sie selbst hatte einen Weg zum Sultan Suleiman gefunden undihn bewogen, sich der Verfolgten anzunehmen. So bedeutende Reich-tümer sollten in seinen Staat eingeführt werden, und die venezianischeRepublik, die nur noch, von seiner Gnade existierte, wagt es, sie ihmvorzuenthalten? Das reizte seinen Zorn. Sein jüdischer Leibarzt,Mose Hamon (o. S. 27), der sich Hoffnung inachte, die Hand der reichenErbin Reyna für seinen Sohn zu gewinnen, hatte den Sultan günstigfür die Familie Mendes gestimmt. Ein eigener Staatsbote (Tschaus)wurde von der Pforte nach Venedig abgesandt mit der Weisung, diegefangene Marranin sofort in Freiheit zu setzen und sie ungehindertmit ihren: Vermögen nach der Türkei ziehen zu lassen. Es entstanddadurch eine Spannung zwischen dem türkischen Hofe und der vene-zianischen Republik, welche später zum Ausbruch kam. Die unbekanntunter dem Namen Mendesia oder Beatrice de Luna lebendeGracia Naßi war die Veranlassung, nicht bloß Venedig, sondern auchden französischen Hof in Unruhe zu versetzen. Wider ihren Willenwurde ihr eine bedeutende Rolle zugeteilt.
Inzwischen war es ihr gelungen — man weiß nicht, auf welchemWege — eine Zufluchtsstätte in Ferrara zu finden unter dein Schutzedes Herzogs Ercole d'Este II., wo sie mehrere Jahre (um 1549 bis 1553)zum Segen und zum Tröste ihrer Religions- und Leidensgenossenlebte, und zwar unter ihrem jüdischen Namen. Es war ihr jetzt erstvergönnt, alle ihre hehren Tugenden, ihr weiches Mitgefühl, ihren Edel-mut, ihre innige Frömmigkeit, mit einem Worte ihr großes Herzoffen und frei zu betätigen. Auch ihre Klugheit und Besonnenheit kamden Marranen in Italien zustatten. Der Dichter SamuelUsquewelcher ihr sein schönes Werk „Die Tröstungen für Israels Trübsale"(o. S. 312), gewidmet, sprach mit Begeisterung und tiefster Verehrungvon ihr. „Das Herz wird als das edelste und vorzüglichste Organ desmenschlichen Körpers gehalten, weil es schneller den Schmerz empfindetals die übrigen Organe. Es muß daher besonders befriedigt werden,wenn es die anderen sein sollen. Es liegt in meiner Absicht, mit diesemkleinen Zweig frischer Frucht unserer portugiesischen Nation (denMarranen) zu dienen. Ist es nicht billig, ihn Ew. Gnaden, als demHerzen dieses Volkes, zu überreichen, da Sie in den Mitteln, welche