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Geschichte der Juden.
Seelenkampf noch über zwei Jahre daselbst weilen, bis die Anleihe vondem Kaiser zurückbezahlt war.
Endlich schien die Stunde der Freiheit für sie zu schlagen, sie konnteendlich Antwerpen verlassen, uni nach Venedig auszuwandern. Manerzählte sich, ihr Neffe Joäo Miques habe ihre Tochter Reyna, um derenHand sich hohe christliche Adlige beworben hatten, entführt und sei mitihr nach Venedig entflohen. Vielleicht war das nur ein von der FamilieMendes geflissentlich ausgebreitetes Gerücht, um ihrer Abreise nachVenedig einen Vorwand zu geben, damit ihr kein Hindernis in denWeg gelegt werde. Indessen hatte ihre Vorsicht keinen Erfolg. Nachihrer Entfernung befahl Karl V. wiederum, auf die Güter ihres Hauses,so weit sie sich innerhalb seines Gebietes befanden, Beschlag zu legen,weil die beiden Schwestern heimliche Jüdinnen wären, und Mendesiadie Ältere (wie sie genannt wurde) mußte wiederum bedeutende Summeaufwenden, um den Schlag abzuwenden.
In Venedig begannen für sie (sie nannte sich wohl damals d eLuna) Unglückstage, schlimmer, als sie sie bisher erfahren hatte,denn sie kamen ihr von einer Seite, von wo sie sie am allerwenigstenerwartet hatte, von seiten ihrer jüngeren Schwester. Diese, ebensounbesonnen und zerfahren, als die ältere gesammelt und charakterfestwar, verlangte von ihr die Herausgabe des ihr und ihrer Tochter zu-kommenden Anteils am Vermögen, um selbständig darüber verfügenzu können. Dona Mendesia mochte und durfte aber nicht darauf ein-gehen, weil sie von ihrem Schwager zur alleinigen Leiterin des Geschäftesund auch zum Vormund über ihre noch unmündige Nichte eingesetztworden war. Wegen dieser unwillig ertragenen Bevormundung'undwahrscheinlich von schlechten Ratgebern geleitet, tat die jüngere Schwestereinen Schritt, der zu ihren: eigenen Nachteil ausschlug. Sie machte dervenezianischen Signoria die Anzeige, daß ihre ältere Schwester mit dengroßen Reichtümern nach der Türkei auszuwandern im Begriffe sei, umoffen zun: Judentum überzutreten, während sie selbst mit ihrer Tochterin: Christentum zu verbleiben gedächte; die venezianischen Behördenmöchten ihr zu ihrem Vermögensanteil verhelfen, damit sie denselbenals gute Christen in Venedig verbrauchen könnte. Tie venezianischenMachthaber, welche dabei einen guten Fang zu machen glaubten,zögerten nicht, auf die Klage einzugehen, luden die Angeklagte vor ihreGerichtsschranken und gingen so weit, sie in Gewahrsam zu bringen,um ihre Flucht zu verhindern. Ihre übelberatene oder charakterloseSchwester sandte noch dazu einen habsüchtigen und judenfeindlichenBoten nach Frankreich, um die dort den: Hause Mendes zustehendenGüter mit Beschlag belegen zu lassen — gewiß durch Erhebung der-selben Anklage gegen ihre ältere Schwester, daß sie judaisiere. DerBote, welcher sich nicht genug für seine Sendung belohnt glaubte,