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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Gracia Mendesia und Karl V.

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schaft urkundlich gesichert hatte. In Antwerpen nahm die FamilieMendes eine geachtete Stellung ein; der junge, gewandte, schöne NeffeMendesias, Joäo Miques, verkehrte mit den ersten Männern der Haupt-stadt und war selbst bei der Statthalterin der Niederlande, Maria,ehemals Königin von Ungarn, Schwester Karls V., sehr beliebt.

Indessen fühlte sich Mendesia in Antwerpen nichts weniger alsbehaglich. Die Liebe zu ihrer angestammten Religion, die sie verleugnenmußte, und der Abscheu vor dem aufgezwungenen katholischen Be-kenntnis, das sie täglich durch Kirchenbesnch, Kniebeugung und Beichtebetätigen mußte, wobei sie vielleicht gar von Spionen umlauert war,machte ihr Flandern ebenso widerwärtig wie Portugal. Sie sehntesich nach einein Lande, wo sie dem Zuge ihres für das Judentum glühen-den Herzens frei folgen könnte. Daher bestürmte sie ihren Schwager,den Leiter des Bankgeschäftes, der inzwischen ihre jüngere Schwestergeheiratet hatte, mit ihr nach Deutschland oder sonst wohin zu ziehenoder den ihr zukommenden Anteil vom Gesamtvermögen herauszuzahlen.Diogo Mendes hatte bereits eine Zeit für die Auswanderung festgesetzt,als er gegen Ende derselben (1540 bis 1546) das Zeitliche segnete;auch er hinterließ eine Witwe und eine Tochter, Gracia die Jüngere.Seit dieser Zeit begannen sorgenvolle Tage für die edle Mendesia.Sie war von ihrem verstorbenen Schivager letztwillig als Haupt desweitverzweigten Geschäftes anerkannt, weil er volles Vertrauen zuihrer Klugheit und Rechtlichkeit hatte, lind ihr standen nur zwei jungeMänner, ihre Neffen, zur Seite. Sie konnte die Geschäfte nicht sorasch abwickeln, um dem Drange ihres Herzens zu folgen und sichauf einem duldsamen Flecken der Erde offen zum Judentum zu bekennen.Dazu kam noch, daß die Habgier Karls V. ein Auge ans das große Ver-mögen des Hauses Mendes geworfen hatte. Gegen den verstorbenenDiogo Mendes wurde von dem kaiserlichen Fiskal die Anklage erhoben,er habe heimlich judaisiert. Es mag auch bekannt geworden sein, daßer durch Rat und Tat die Gegner der Inquisition in Portugal unter-stützt hatte. Ms Strafe dafür sollte das ganze Vermögen, als daseines Ketzers, dem Fiskus verfallen, denn es waren scharfe Verordnungengegen die Duldung eingewanderter Marranen in Flandern erlassen?)Schon war der Befehl erteilt, die Güter und Handlungsbücher desHauses Mendes mit Beschlag zu belegen und sie zu versiegeln. Indessengelang es noch der Witwe Mendesia, die Habsucht durch eine bedeutendeAnleihe und Bestechung der Beamten für den Augenblick zu beschwich-tigen. In dieser Lage konnte sie noch weniger Antwerpen verlassen,um nicht den Verdacht gegen sich rege zu machen und ihres Vermögenserst recht verlustig zu gehen. So mußte sie unter stetein schweren

h Siehe weiter unten das letzte Kapitel.