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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Zeit, die nur auf Geldgewinn ausgingen, denen das Menschenlebengleichgültig war, die gelehrten Krimskrams answendig wußten undvon der Natur der Krankheiten nichts verstanden?) Amatus hatteviele Jünger seiner Kunst, die mit Liebe an ilnn hingen, und die erals seine Kinder betrachtete. Bereits in seiner Jugend hatte er medi-zinische Schriften bearbeitet, die so sehr geschätzt waren, das; sie beiseinem Leben vielfach gedruckt wurden. Am meisten Aufsehen machtenseine medizinischen sieben Centurien (je hundert Krankheitsfälle),in welchen er sein eingeschlagenes Heilverfahren und dessen Erfolgegenau beschrieb und zugleich die Charakteristik der von ihm behandeltenKranken angab. DieseKuren" haben ihm noch beim Leben einenweitverbreiteten Ruf gebracht; sie wurden in Italien, Frankreich,Deutschland und sogar in Spanien vielfach gedruckt und von den Ärztenals Wegweiser benutzt?) Amatus war nicht bloß einseitig Arzt, sonderner verstand auch andere Fächer; er übersetzte die kurzgefaßte GeschichteRoms von Eutrop ins Spanische. Auch Hebräisch und Arabischverstand er. Vom König von Polen erhielt er einen Ruf an seinen Hofzu kommen und sein Leibarzt zu werden, nahin ihn aber nicht an.

Ein solcher Wohltäter der Menschheit, die Zierde seiner Zeit, mußte,weil er nicht ein albernes Glaubensbekenntnis vor der blutdürstigenInquisition Paulus' IV. oblegen und sich nicht dem Feuertode aussetzenmochte, wie ein Verbrecher die Flucht aus Ancona nach Pesaro er-greifen^) und später noch weiter wandern. Mehr als achtzig portu-giesische Marranen, welche nicht entfliehen konnten, mußten in denKerkern der Generalinquisition schmachten, bis ihnen das Urteil ver-kündet wurde. Es lautete, das; diejenigen, welche ein reumütigeskatholisches Glaubensbekenntnis oblegen, freigesprochen, aber nachder Insel Malta transportiert werden und Ansehen und Würden ver-lieren sollten. Sechzig Marranen verstanden sich zu dieser Heuchelei undwurden zu Schiff wie Galeerensklaven nach Malta geführt; es gelangihnen aber zu entkommen und in der Türkei ihrem Bekenntnis zuleben?) Vierundzwanzig dagegen, darunter auch eine Frau, DonaMajora, blieben fest bei ihrem angestammten Bekenntnis:DerHerr, unser Gott, ist einzig," und wurden auf Scheiterhaufen verbrannt(Mai 1556). Drei Trauerlieder verewigen den Märtyrertod dieservierundzwanzig und nennen ihre Namen, gedichtet von Jakob daF ano , von S a l o in o Chasan und von Mardochar de

*) Die gewissenlosen Quacksalber des 16. Jahrhunderts sind treffend ge-geißelt in den Schriften des Theophrastus Paracelsus.

2) Vergl. darüber die Bibliographien und Carmoly, bistoirs «los wsäe-0IN8 ,fnit8.

2) Osnlnria VII. Nr. 49: Visanrnin vsnieus sud 6nickauo Ildaläo.

G. Jbn-Jachja in LebalsobslsI gegen Ende.»