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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Amatus Lusitanus. . 327

eine damals in hohem Ansehen stehende Persönlichkeit, der zu seinerZeit berühmte Arzt Amatus (Chabib) Lusitanus (geb. 1511,gest. 1568)/) ein verständiger und geistvoller Mann, ein erfahrenerArzt, ein bedeutender Gelehrter und ein ebenso gewissenhafter, wieliebenswürdiger Mann. Als Scheinchrist hatte er einen anderen Namengeführt, JoäoRodrigodeCastel-branco. Auch ihn scheintwohl die Einführung der Inquisition in Portugal ans der Heimatvertrieben zu haben. Er hatte sich längere oder kürzere Zeit in Ant-werpen, der damaligen Hauptstadt von Flandern, unter den dortigenMarranen, später in Ferrara und Rom aufgehalten, sich aber dauerndin Ancona niedergelassen (um 1549), wo er ganz offen den jüdischenFamiliennamen Chabib angenommen und ihn in Amatus Lusitanuslatinisiert hatte. Obwohl er sich offen als Jude bekannte, wurde eröfter an den Hof des Papstes Julius III. gerufen, um dessen krankenLeib zu heilen?) Selbst mit dem portugiesischen Gesandten in Rom,dem aus doppelt königlichem Geblüts, englischem und portugiesischem,stammenden Fürsten Alfonso von Lancaster, stand AmatusLusitanus auf freundschaftlichem Fuße, verkehrte, so oft er in Romwar, in seinen: Palaste und widmete ihm eine seiner Schriften überKrankheitsgeschichten. Von Nah und Fern wurde er von Leidendenausgesucht, denn er war ein gewissenhafter und vorsichtiger Arzt, derwohl an der alten (Galenischen) Heilmethode festhielt, aber sich nichtwie die meisten seiner zeitgenössischen Fachgenossen gegen das Nenein blinder, verstockter Konsequenz und in Unverstand verschloß; er selbsterfand manches wirksame Heilverfahren. Amatus behandelte dieLeidenden, die sich seiner Kunst anvertranten, nicht, wie damals üblich,in Bausch und Bogen, für alle dieselben Heilmittel anwendend, sondernging auf die Natur und Eigenart derselben ein. Die Heilkunst warfür ihn ein heiliges Amt, das er mit ganzer Seele ausübte, um dasMenschenleben zu verlängern. Amatus konnte daher einen feierlichenEid ablegen bei Gott und seinen heiligen Geboten -, daß er stetsnur für das Wohl der Menschen besorgt gewesen, sich um Lohn niemalsgekümmert, reiche Geschenke niemals angenommen, Arme umsonstbehandelt und keinen Unterschied zwischen Juden, Christen und Türkengemacht habe. Nichts habe ihn an seinem ernsten Beruf gehindert,nicht Familienrücksichten, nicht beschwerliche Reisen, nicht die Ver-bannung?) Welch ein Gegensatz zu den meisten Quacksalbern seiner

st Amatas' Geburtsjahr folgt aus seiner Angabe Osntnria IV. Ende, daßer 1553, 42 Jahr alt gewesen. Einer seiner Verehrer schreibt von ihm daselbstAns.: ipss (Lmatns) ainabilis st re st nomine. Über den Namen vergl.Ussxx. Samuel de Medina v"n Nr. 5 ii-on Zwei 'i'.n.

st Siehe o. S. 321, Note I.

st Osntnria VII, Ende.