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Geschichte der Juden.
Reichtümern in Ferrara und Ancona nieder, auf die zugesichertenPrivilegien des Oberhauptes der katholischen Christenheit vertrauend.Zu Ancona hatten sie eine Synagoge im Hause eines Christen?) Wasaber galt dem haßerfüllten Papst Paul IV. eine von seinen Vor-gängern und von ihm selbst eine Zeitlang stillschweigend anerkannteSchutzzusicherung, wenn sie mit seiner vermeintlichen Rechtgläubigkeit in,Widerspruch war? Er sollte es zugeben, daß Menschen, welche, wieäußerlich auch immer, mit dem Taufwasser einst besprengt worden waren,unter seinen Augen judaisiereu durften? Das konnte seine Verkehrt-heit nicht ertragen. Paul erließ daher einen heimlichen Befehl, sämt-liche Marranen von Ancona, die bereits mehrere Hunderte zählten,in die Kerker der Inquisition zu werfen, ein Verhör wegen ihrer Recht-gläubigkeit mit ihnen anzustellen und ihre Güter mit Beschlag zu be-legen (Ellul ^ August 1555). 2) Es war ein harter Schlag für dieMarranen, welche zum Teil bereits ein halbes Jahrhundert dort ge-weilt und sich in Sicherheit gewiegt hatten. Auch solche Marranen,welche türkische Untertanen waren und nur in Handelsgeschäften inder, durch ihren levantischen Handel blühend gewordenen Hafenstadteine kurze Zeit geweilt hatten, wurden in die Anklage wegen Judai-sierens hineingezogen und eingekerkert. Ihre Waren wurden natürlichebenfalls konfisziert. Der rasende Papst hatte sich selbst dadurch be-deutende Einnahmequellen abgeschnitten, in: Augenblick, als er sichin einen kostspieligen Krieg mit Spanien stürzen wollte.
Nur wenigen Marranen war es gelungen, den Häschern derpäpstlichen Generalinquisition zu entkommen; sie wurden sämtlichvom Herzog Guido U b a l d o von Urbino ausgenommen und inPesaro einquartiert, weil dieser damals in Gegnerschaft zu dem Papstestand und den levantischen Handel durch die Verbindung der Mar-ranen mit der Türkei von Ancona nach Pesaro zu ziehen gedachte.Auch der Herzog Ercole II. von Ferrara bot den Portugiesen undSpaniern jüdischen Geschlechts, von welchem Lande sie auch kommenmochten, Asyl in seinein Staate und lud sie förmlich dahin ein (De-zember 1555)?) Unter den nach Pesaro Entkommenen befand sich
*) 0 . lksi'oso (lliobsls lilaicmi): 6 Ii Xbrei portoßstiem qlrmtiLiati inAncona. 8 otko Unolo IV, gedruckt tkoliKno 1884 . Auszüge daraus Lsvus XI,150 f.
2 ) Quellen darüber vergl. w. u. Joseph Jbn-Lab Usspp. eck. Xin 8 t.p. 63 e., ivo die Aufnahme der Marranen von Guido Ubaldo referiert ist:rn nnrn irin n'L'2.8 irv.i 2"n>2 8U,:n»2 2>22" u.nv 2'vm omui: orp
2I2I1N INV 012' 1222 ii>2,2i:i 1181'°? 2,ii> 11121—2'1I1'1. Beginn ihrer Ein-kerkerung folgt aus Jbn-Jachjas Angabe: — August, n-ii inv2, d. h.
>.i — 1555 , also von August 1555 bis Mai und Juni des folgenden Jahres, nahean 10 Monate. Daher bei I. Kohen: °>2i o-ir- 1020 0-22. (in,2M2 mmmi) »vi.
2 ) Über Ferrara s. LIa8Üir 1861 S. 45. Aktenstück von Wolf.