Paul IV. und Kardinal Alexander Farnese. 325
zu lehren?) Und nun durfte sich kein christlicher Sieche von einemjüdischen Arzte behandeln lassen. Auf Talmudexemplare wurde unterPaulus IV. ebenfalls mit Strenge gefahndet. Mehrere Juden verließendarauf das boshaft gewordene Rom, um sich nach duldsameren Staatenzu begeben; sie wurden aber unterwegs von dem fauatisierten Pöbelmißhandelt. Die in Rom zurückgebliebenen schikanierte der Thea-tinerpapst auf kleinliche Art. Bald hieß es, sie hätten ihre Liegenschaftennur zum Schein verkauft und falsche Verkaufsurkunden ausgestellt,und er ließ sie dafür in Haft bringen. Bald ließ er bekannt machen,diejenigen Juden, welche nicht für das allgemeine Beste tätig wären,sollten binnen einer Frist Rom verlassen. Als die geängstigten Judensich eine Erklärung darüber erbaten, was denn „zum allgemeinenBesten tätig sein" bedeute, erhielten sie die phnraonische Antwort:„Ihr sollt's zur Zeit erfahren". Paul IV. zwang sie zu Frondienstenbei der Ausbesserung der Mauern Roms, die er gegen den selbstheraufbeschworenen Feind, die Spanier, widerstandsfähig machenwollte. Einst befahl er, den die Juden mit Recht Hamau nannten,in seiner rasenden Judenfeindlichkeit seinem Neffen, in dunkler Nachtsämtliche Wohnungen der Juden in Brand zu stecken. Schon eiltedieser, wenn auch mit Widerwillen, den Befehl zu Vollstrecken, alsihm der einsichtsvolle Kardinal Alexander Farnese be-gegnete und bedeutete, mit diesem unmenschlichen Beginnen noch zuzögern, um dem Papst Zeit zur Besinnung zu lassen. In der Tatnahm dieser Tages darauf den Beschluß zurück. Infolge der Grausam-keit dieses Papstes gegen die Juden traten viele reiche und angeseheneunter ihnen zum Christentum über.
Wenn der fanatische Papst Paul IV. so gegen die Juden wütete,wie nun erst gegen die Marranen in seinein Gebiete! Viele mit Ge-walt zum Christentum gezwungene Juden aus Portugal oder ihreKinder hatten in Ancona ein Asyl gefunden und vom Papst Clemens VII.Indemnität erhalten, dem Judentum anhängen zu dürfen, ohne vonder Inquisition belästigt zu werden (o. S. 230). Die zwei nachfolgen-den billig denkenden Päpste Paul III. und Julius III. hatten diesesPrivilegium der Marranen bestätigt,2) überzeugt wie sie waren, daßdie an diese mit Gewalt vollzogene Tarife keine sakramentale Be-deutung haben könne. Je mehr die in Portugal eingeführte Inquisitiongleich der spanischen gegen die Marranen wütete, desto mehr Flücht-linge kamen auch nach Italien und ließen sich mit ihren geretteten
y I. Kohen a. a. O. x. 116—118. Man übersehe nicht, daß dieses Allesein glaubwürdiger Zeitgenosse erzählt.
2) Über die Duldung von seiten Pauls III. o. S. 2SI, 271, und von seitenJulius III. geht aus Gedalja Jbn-Jachjas Angabe hervor (Zelncksobslet gegenEnde): nrs nnw'i Ausdrücklich, italienische Information Note 6.