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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Er hatte als Greis die ganze Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit seinerJugend bewahrt und seine Politik danach gestaltet. Er haßte dieProtestanten und Juden, aber auch die Spanier, die brauchbarstenWerkzeuge des kirchlichen Fanatismus; er nannte sie und den bigottenKönig Philipp II.verdorbene Sauren von Juden und Mauren".Bald nach seinem Regierungsantritte erließ er eine Bulle, daß jedeSynagoge inr Kirchenstaat gehalten sei, zehn Dukaten zur Unterhaltungdes Hauses der Katechumenen, wo Juden im Christentum erzogenwurden, zu leisten?) Noch rücksichtsloser war seine zweite jndenfeind-liche Bulle (12. Juli 1555), welche mit aller Strenge die kanonischenGesetze gegen sie in Ausführung brachte. Sie sollten in Ghettos ein-geschlossen bleiben und nur eine einzige Synagoge besitzen, die übrigenmüßten zerstört werden. Sie dürften keirre christlichen Dienstboten,noch Ammen halten und überhaupt nicht mit Christen Umgang Pflegen,nicht mit ihnen essen oder spielen. Sämtliche Juden sollten gezwungenwerden, grüne Barette und sämtliche Jüdinnen grüne Schleier zutragen, auch außerhalb der Stadt. Sie sollten auch nicht von der christ-lichen Bevölkerung mitHerr" angeredet werden. Es wurde ihnenverboten, liegende Gründe zu besitzen; innerhalb eines Jahres müßtensie dieselben verkaufen. Daher mußten sie ihre Güter, die über 500 000Goldkronen wert waren, für den fünften Teil veräußern. Daß sie ihreHandelsbücher nur in italienischer Sprache führen sollten, war einenicht ungerechte Maßregel. Aber wozu sollten sie ihnen dienen, wennihnen jeder Handel verboten war, es sei denn mit alten Kleidern?Aber auch für den Trödel fanden sie keine Käufer, da Christen lautder Bulle jeden Verkehr mit Juden mieden. So kamen die Handel-treibenden an den Bettelstab. Das Schlimmste in dieser Bulle war,daß den jüdischen Ärzten untersagt wurde, Christen ärztliche Hilfe zuleisten, ihnen, denen so mancher Papst seine Gesundheit zu verdankenhatte. Schwere Strafe war für die Übertretung verhängt?) Mitaller Strenge wurde diese feindselige Maßregel ausgeführt. Fortanmußten italienische Fürsten, wenn sie einen jüdischen Leibarzt in ihrerNähe haben wollten, einen der folgenden Päpste bitten, ihnen dieseErlaubnis zu erteilen. Welche Wandlung seit kaum einem Menschen-alter! b) In der päpstlichen Stadt Avignon wurde nicht lange vorherder jüdische Arzt Emmanuel de Lates von den Räten dieserStadt für einen Ehrensold gewonnen, die Heilkunde auszuüben und

0 Gedalja Jbn-Jachja Lolmlsokelst, gegen Ende.

2) Die Bulle abgedruckt in Lullarium maKimm I. und in LartoloeeiLibliotbsea III, p. 742 fg., wird auch erwähnt von Joseph Kohen a. a. O.p. 116 und Jbn-Jachja das. Über die Wirkung dieser Bulle s. Note 6, Ende.

h Oustavs Itaxle, Iss wsäeoins ä'^viZnon p. 73, Levus V p. 331.Emmanuel de Lates wurde berufen im Jahre 1529.