Marcellus II. und Paul IV.
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Nach dem Tvde des Papstes Julius III. wurde es noch schlimmerfür die Juden. Denn das Kardinalkollegium sah von jetzt an strengdarauf, nur streng kirchlich gesinnte, womöglich mönchische Päpste zuwählen. Tie gebildeten, humanistisch gesinnten, Kunst und Wissen-schaft liebenden Würdenträger waren, wenn es noch welche gab, inMißkredit geraten. Der erste reaktionäre Papst war Marcellus II.,unter dessen kurzer Regierung die Juden des Kirchenstaats um einHaar der Ausrottung verfallen wären. Ein elender mohammedanischerTäufling hatte, um sich die reiche Erbschaft seines Mündels anzueignen,den jungen Erben gekreuzigt und die Leiche heimlich auf deu CampoSanto geworfen, einen Begräbnisplatz, wo, weil auf ihn Erde vomheiligen Lande gebracht worden war, nur Vornehme und Reiche fürEntgelt beigesetzt wurden. Dieser Umstand machte den Vorfall noch auf-fallender. Einige gewissenlose Christen und der getaufte Jude Ananeldi Foligno erhoben in der Tat die Anklage des Kindermordes gegendie Juden beim Papst Marcellus. Dieser war bereit ihr Wichtigkeitbeizulegen und eine grausige Strafe über die römische Gemeinde zu ver-hängen, und nur die Klugheit und Menschlichkeit des judenfreundlichenKardinals Alexander Farnese wendete das Mißgeschick von ihnen ab,indem er den wahren Mörder an den Tag brachte (April 1555)?)
Auf Marcellus folgte der kirchlich fanatische Carnffa auf demPetrusstuhl unter dem Namen Paul IV. (Mai 1555 bis August 1559).
U I. Kohen das. p. 114. Es existierte über diesen Vorfall eine hebräischeAufzeichnung unter dem Titel nizn, angeblich von zeitgenössischen Rabbinerngefaßt, von welcher Abraham Graziano im XVII. Jahrh. einen Auszug ge-geben hat. Diesen Auszug hat Kaufmann in Levus ei. llt. IV. 94 f. mit-geteilt. Dieser Auszug stimmt in deu Hauptpunkten mit der Erzählung inklinek Im-lZaelm überein und weicht nur in Nebenumständen davon ab. Ernennt den Namen des Mörders, eines spanisch-arabischen Konvertiten mbw —Sulaim, was eben beweist, daß der Bericht, wenn auch nicht von Augenzeugen,doch von Ohrenzengen ausgezeichnet wurde. Die Hanptdifferenz besteht darin,daß der Auszug dem Papste das Verdienst beilegt, die Entdeckung des Mördersund dadurch die Verschonung der Juden herbeigeführt zu haben, währendJoseph Kohen dieses dem Kardinal Alexander Farnese »indiziert. Nun konntedieser, welcher mit hochgestellten Christen verkehrte, besser darüber unterrichtetsein, was bei dieser Gelegenheit im Kabinet des Papstes besprochen wurde,als die römischen Rabbiner. Ferner gehörte dazu ein hoher Grad von Vor-urteilslosigkeit bezüglich der Juden, ans die Anschuldigung eines Konvertitengegen sie nichts zu geben, welche eben Alexander Farnese tatsächlich öfter bekundethat (o. S. 3V2, N. 3), von Marcellus dagegen, welcher von den ultra-katholischenKardinälen gewühlt war, liegt kein Beweis für eine solche ruhige Beurteilungvor. Die Darstellung in Lmslc Im-8. daß Farnese den Papst beschwichtigt:-
msni mm-: im . . . und den günstigen Umschwung herbei-
gesührt habe, empfiehlt sich daher als viel wahrscheinlicher. Bei Graziano hatnach Marcellus' Tod sein Nachfolger Caraffa-Paulns IV. den Minder hinrichtenlassen. Bei Joseph Kohen dagegen ist dieser Punkt unbestimmt gelassen.
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