Verbrennung des Talmuds im Kirchenstaate. 321.
Konvertiten, Joseph Moro und An anal de Foligno,nicht genug, ihre Religion aufgegeben zu haben, traten gleich Doninvor dem Papst als Ankläger gegen den Talmud auf und wiederholtendessen Verleumdungen, daß die talmudischen Bücher Schmähungengegen Jesus, die Kirche, die ganze Christenheit enthielten und diemassenhafte Bekehrung der Juden hinderten. Julius III. war keines-wegs streng kirchlich gesinnt und am wenigsten judenfeindlich; er ließsich noch von jüdischen Ärzten, dem zu seiner Zeit berühmten Heil-künstler Vit,al Alatino aus Spoleto und dem Marranen A m a -tusLusitanus behandeln?) Aber es war nicht mehr des PapstesSache, über den Talmud zu entscheiden, sondern er gehörte vor dasForum der Inquisition, d. h. des fanatischen Caraffa, und Julius III.mußte das Dekret, welches der Generalinquisitor vorlegte, gutheißenund unterschreiben (12. August 1553). Auch darin zeigte sich die so sehrgerühmte Unfehlbarkeit des Papsttums. Leo X. hatte den Druck desTalmuds befördert (o. .S. 176), und sein dritter Nachfolger ordnetedessen Vernichtung an. Die Schergen der Inquisition überfielen daraufdie Häuser der römischen Juden, konfiszierten die Talmudexemplareund Agadasammlungen und verbrannten sie mit besonderer Bosheitzuerst am jüdischen Neujahrstage (9. September), bannt der Schmerzüber die Vernichtung ihrer heiligen Schriften die Juden um so emp-findlicher treffe. Aber nicht bloß in Rom fahndeten die Schergender Inquisitoren auf talmudische Schriften, sondern auch in der ganzenRomagna und darüber hinaus in Venedig, wo in den hebräischenBuchdruckereien Tausende von Exemplaren angehäuft waren, in Fer-rara, Mantua, Padua, auf der zu Venedig gehörenden Insel Candia,und überall; sie wurden zu Hunderten und tausenden verbrannt. DieSchergen unterschieden in ihrer Wut nicht mehr Talmudexemplare vonden andern hebräischen Schriften. Alles, was ihnen unter die Händekam, wurde den Flammen überliefert; selbst an der heiligen Schrift
ineenclsnäam onraverat. Es wird noch weiter erzählt, wie die eigene Mutterseine Verfolgung in Alexandrien betrieben hat. Demnach sind Salomo Ro-mano und Johann Baptista Romano Eliano identisch. Sein Bruderwar der Kanonikus Vittorio Eliano (Wolf I, x. 47l, III, 240, Katalog derBodleiana 2066). Dieser war also vor 1551 wohl bald nach seines GroßvatersTod getauft. Er scheint bei dieser Delation nicht beteiligt gewesen zu sein,sondern erst 6 Jahre später legte er Zeugnis gegen den Talmud ab (w. u.).
>) David de Pomis, cts msclieo lisbraso x. 70: 8i>oletum Ilmbriagnstota Vitalem ^latinnm, patrnnm msnm, in eoslnm tollnnt . . gin chulinmtsrtium enravit. Amatus Lusitanus, Centuria III Ans.: Romain anpsiioridnsannis ms oontnli, nt Inlio III. asZwotanti opem terrem. Aus Centuria IV,19 geht hervor, daß dieses vor 1550, also gleich im Anfang von Julius' III.Pontifikat geschehen ist.
Graetz, Geschichte der Juden. IX.
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