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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Die strenge geistliche Bücherzensur.

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lich, die Presse zu überwachen. Das Preßwesen hatte das Unheil-der Spaltung und Zerrissenheit über die Kirche gebracht (so glaubtenEaraffa und sein Gesinnungsgenosse), es sollte zuerst und zumeistgeknebelt werden. Es dürfe nur das gedruckt und gelesen werden,was der Papst und seine Anhänger für gut befanden. Die Bücher-zensur war zwar schon von früheren Päpsten eingeführt worden, jedeDruckschrift sollte einer geistlichen Kommission zur Prüfung vorgelegt >werden. Aber da bis dahin alles käuflich und bestechlich war, undkeine Disziplin herrschte, so konnten die Berleger mit oder ohne Wissender zur Überwachung bestellten Geistlichkeit Brandschriften gegen diebestehende Kircheneinrichtung drucken und verbreiten. Die aufregendenStreitschriften in der Reuchlinschen Sache, die Dunkelmännerbriefeund andere zündende Pamphlete, Huttens Raketen gegen das Papst-tum, Luthers erste Schrift gegen die römisch-babylonische Hure, dieserrasch aufeinander folgende Zündstoff, welcher das aus Werg ge-sponnene Kirchenzelt von allen Seiten anzündete, war eine Folge dernachlässigen Handhabung der Zensur. Das sollte nun anders werden.

Die bestellten Zensoren waren aufs strengste angewiesen, innerhalbder katholischen Welt, die noch immer groß genug war, in Italien,einem Teil von Deutschland, Österreich, Spanien und Portugal, keineSchrift durchzulassen, welche auch nur im entferntesten an den Dogmender Kirche und der Unfehlbarkeit des Oberbischofs von Rom rüttelte?)

Nur päpstlich treuen Geistlichen wurde das Zensoramt anvertraut,und aus Überzeugung oder Selbsterhaltungstrieb übten sie es ohneNachsicht aus. Das Heranwachsende Geschlecht wurde dadurch imblinden Glauben erzogen und das bereits reife wieder dazu zurück-geführt. Das Tridentiner Konzil, welches anfangs nur mit Wider-willen von dem Papst und den streng Kirchlichen zusammengerufenwurde, sanktionierte, von dem hinreißenden Fanatismus Caraffas unddes wachsenden Jesuitenordens beherrscht, alle reaktionären Maßregelnund kräftigte das Papsttum so nachdrücklich, wie es die Träger derdreifachen Krone kaum selbst geahnt hatten.

Die Juden empfanden bald diese düstere katholische Reaktion, sic,die keinerlei Schutz hatten und nur der Inkonsequenz in Handhabungder bereits gegen sie vorhandenen kanonischen Gesetze ihre dürftigeExistenz verdankten. Sobald die Kirche diese feindseligen Beschlüssestreng und ernst in Ausführung brachte, war das Dasein der Judenoder wenigstens ihre Ruhe gefährdet. Zuerst wurde wieder die Tal-mudfrage angeregt, aber nicht mit jener Lauheit wie vierzig Jahrevorher. Damals konnten die Kölner Dominikaner gar nicht hoffenbei dem päpstlichen Stuhle Gehör zu finden, den Talmud zu ver-

') Diese strenge Zensur wurde 1543 eingeführt.