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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

schlug dem Papste, der ratlos war, wie der Zerfahrenheit der Kirche,der Lockerung der Disziplin unter den Welt- und Klostergeistlicheuund dem Abfall vom Katholizismus gesteuert werden sollte, die Ein-führung der strengen Inquisition vor. Dasselbe Mittel, welches Tor-quemada, Deza, Nmenes de Cisneros in Spanien anwendeten, unidie Juden und Mauren zur Kirchlichkeit zu zwingen, den loderndenScheiterhaufen, von unerbittlichen Richtern nnbefohlen und von ge-horsamen Schergen entzündet, empfahl Caraffa für die große katholischeWelt. Alle diejenigen, welche eine vom Papsttum auch nur um einesHaares Breite abweichende Glaubensmeinung hegten, sollten sie ab-schwören oder verbrannt werden. Die erbarmungslose Gewalt, dienicht denkt und alles selbständige Denken totschlägt, sollte der ge-schändeten Kirche wieder ihr Ansehen verschaffen. Sobald Caraffavom Papste die Befugnis erhielt, eine solche unnachsichtige Inquisitionfür die ganze katholische Welt einzuführen, beeilte er sich, sie sofortfür Rom, den Sitz der geistlichen Weltherrschaft, ins Leben zu rufen.Er selbst legte Gefängnisse mit Schlössern, Riegeln, Ketten und Blöckenan, um alle diejenigen durch Kerkernacht znm Tode zu führen, welchemehr oder weniger von Luthers Ansichten angefressen waren und ander Unfehlbarkeit des Papstes auch nur einen leisen Zweifel hegten.Der Regeln der allgemeinen Inquisition waren wenige, aber sie warendurchgreifend. Es sollte keine Rücksicht auf Rang und Stand genommen,ja gegen hochgestellte, ungefügige Geistliche mit noch größerer Strengeverfahren werden. Den Reformationssüchtigen sollte auch nicht dasgeringste Zugeständnis gemacht werden, und endlich sollte die be-schlossene Züchtigung der Ungefügigen keinen Aufschub erleiden. So-bald die Inquisition eröffnet warZ) wurden selbst Träger hoher Kircheu-würden, welche eine eigene Ansicht über die kirchlichen Gnadenmittelhatten,, vor ihr Tribunal geladen, gefoltert, gerichtet und verbrannt,wenn sie sich nicht durch Flucht nach Deutschland oder der Schweizretten konnten. Die strenge Inquisition fand keinen Widerstand, imGegenteil noch Aufmunterung und Unterstützung von seiten des Adelsund der städtischen Behörden, weil alle diejenigen, die aus alter Ge-wohnheit und persönlicher Stimmung nicht dem Luthertum und Cal-vins Lehre huldigen wollten, die Kräftigung des Katholizismuswünschten und förderten. Jeder, der innerhalb des katholischen Kirchen-verbandes blieb, wurde ein eifriger Parteigänger dafür und unter-stützte die Gewaltmittel zu dessen Hebung. So wurden selbst die nachUnabhängigkeit strebenden Bischöfe gezwungen, sich dem Papsttum zufügen und strengen Gehorsam zu leisten.

Um die entfesselten, nach Freiheit strebenden Geister wieder ein-Znfangen und zu knechten, schien es der Inquisition als höchst dring-

') 21. Juli 1542.