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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

nicht aus der unsaubern Zisterne des falschen Josippon geschöpft, wieseine Vorgänger, sondern er hatte den echten Josephus gelesen, der,damals ein Liebling der literarischen Welt, bereits im griechischenOriginal und in lateinischer Übersetzung veröffentlicht war. SamuelUsque verstand das Lateinische, so wie er auch ein Meister nicht bloßseiner vaterländischen Sprache, der portugiesischen, sondern auch desSpanischen war. Aus lateinischen Quellen, aus dem Lügenwerke desAlfonso de Spina, aus spanischen, französischen und englischen Chro-niken, selbstverständlich auch aus jüdischen Sammlungen trug er denGeschichtsstoff bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugalzusammen. Diesen Stoff belebte er mit einem poetischen Hauchezu einem das Herz mächtig ergreifenden langen Klage- und Trost-gedichte in portugiesischer Sprache, nicht in Versen, aber in so ge-hobener Prosa, daß es den Leser in seiner Einkleidung noch mehr au-mntet. Es ist ein Gespräch zwischen drei Hirten Icabo, Numevund Zicareo, von denen der erste das tragische Geschick Israelsseit seinem Eintritt in die Geschichte mit blutigen Tränen beklagt,die beiden andern den Balsam des Trostes in das wunde Herz desunglücklich n Hirten träufeln und ihm die Leiden als notwendige Vor-stufen zur Erreichung eines herrlichen Zieles darstellen.Trost inden T r ü b s a l e n I s r a e l s" i) nannte Samuel Usque diesen ge-schichtlichen Dialog. Er beabsichtigte durch die lebensvolle Darstellungder jüdischen Vergangenheit die portugiesischen Flüchtlinge in Ferraraund anderwärts, die sich wieder an das Judentum angeklammerthatten, in ihren Trnbsalen und schweren Leiden zu trösten und aufeine schöne Zukunft zu verweisen. Samuel Usque wollte keineswegseine zusammenhängende und fortlaufende Geschichte der israelitischenNation geben; sie diente ihn: nur als Mittel, nur die Herzen durchdie Erinnerung an das tränenreiche Geschick und den Hinweis aufdie sichtbare göttliche Leitung derselben zn erschüttern und zu erheben.Er zeigte die israelitische Nation bald als trauernde Witwe, welchejammervoll die Hände ringt und Tag und Nacht Tränen vergießtum die lange, lange, Tausende von Jahren umfassende Reihe vonLeiden ihrer Söhne, die ans Glanz und Licht in Dunkel und Elendgestiirzt sind, bald wieder als gottbegeisterte Prophetin im Strahlen-gewande, deren Auge die Finsternis durchdringt, eine herrliche ZuUuiftschaut, und deren Mund Weisheit und Linderung für die brennendenSchmerzen ausströmt. Aber wenn auch kein Geschichtsschreiber, so hatdoch keiner wie Samuel Usque die Hauptzüge der jüdischen Geschichteso lichtvoll und lebendig von den ältesten Zeiten bis auf seine Zeitdargestellt. Er hat auch, weil er den Geschichtsverlauf wahrheits-

') OollsolatzLo ä,8 i.i-ibnlg.?öe8 äs Urnel, vollendet 1552, s. Note 7.