Die drei Usque.
311
ischen Text in gutes Spanisch wortgetreu übersetzen und gab sie heraus(1550 bis 1553). Ein begüterter Marraue, Jom-To b A thiasoder Geronimv de Vargas, trug die Kosten davon. Diesesgroßartige und sehr geschätzte Ferrarische Bibelwerk widmeten dieHerausgeber zum Teil dem Herzog Ercole als Tankestribut fürseine den Marranen gewährte Duldung, und zum Teil eiuer vornehmenmarranischen Dona (Gracia Meudesia), welche der Schutzgeist ihrerLeidensgeuosseu geworden war?) Aber nicht bloß spanische und portu-giesische Schriften verlegte Abraham Usque oder Tuarte Pinel inseiner Druckerei, sondern auch hebräische, ohne besondere Auswahl,rituelle, religious-philosophische und kabbalistische Werke?)
Der zweite des Namens Usque, Salomo, oder, wie erfrüher als Scheiuchrist hieß, Duarte G o m e z,^) war zugleichDichter und Kaufmann in Venedig und Ancona, wohin er aus Portugaleingewaudert war. Er überarbeitete Petrarcas verschiedenartige Dich-tungen in schönen spanischen Verseil, welche ^von seinen Zeitgenossenwegen ihres kunstvollen Baues und Wohllautes bewundert wurden.Gemeinschaftlich mit einem andern jüdischen Dichter Lazaro Gracianhat er ein spanisches Drama aus biblischem Stoffe, aus dem künstlerischschönen Epos von der jüdischen Königin Esther und der Rettung ihresVolkes, gedichtet. Dabei war Gomez-Salomo Usque ein gewandterGeschäftsmann und führte schwierige Aufträge glücklich aus/
Der bedeutendste unter den drei Usque war Samuel, dessenChristenname nicht bekannt ist, der ohne Zweifel ebenfalls vor derWut der Inquisition aus Portugal entflohen war; er ließ sich mitseinen Verwandten ebenfalls in Ferrara nieder. Auch er war Dichter;aber seine Muse befaßte sich nicht mit fremdem Stoffe, nicht mit Nach-ahmungen und Überarbeitungeil, sondern schuf Eigenes und Eigeil-artiges. Die zugleich glanzvolle und tragische Geschichte des israe-litischeil Volkes zog ihn mächtig an, und sie lag nicht bloß in seinemGedächtnisse als toter Gelehrtenstoff angehäuft, sondern lebte in seinemHerzen als frisch sprudelnder Quell, woraus er Trost und Begeisterungschöpfte. Die biblische Geschichte mit ihren Helden, Königen undGottesmännern, die nachexilische Geschichte mit ihrem Wechsel vollheldenmütiger Erhebung und nilglücklicher Niederlage, die Geschichteseit der Zerstörung des jüdischen Staates durch die Römer, alle dieVorgänge und Wandlungen der drei Zeiträume waren Samuel Usquegegenwärtig. Er hatte sich Mühe gegeben, die geschichtlichen Quellenselbst zu befrageil und sich an Literaturgebiete gemacht, welche bisdahin kein Jude angesehen hatte. Für die nachexilische Zeit hatte er
h S. weiter unten.
h De Rosst a. a. O. x. 28. h S. Note 7.