308
Geschichte der Juden.
monde und dem Kreuze, zwischen dem Islam und dem Christentumsdar; jenes wird repräsentiert durch das mächtige türkische Reich, diesesdurch Frankreich, das den ersten christlichen Gesamtmonarchen, Karlden Großen, aufgestellt hatte. An diese zwei großen Völkergruppenknüpfte Joseph Kohen die europäische Geschichte an. In die „Jahr-bücher der Könige von Frankreich und des otto-manischen Hause s" (wie der Titel seines Geschichtswerkeslautet), zog Joseph Kohen alle Begebenheiten und Kriege in derChristenheit und der islamitischen Welt hinein. Er selbst sympathisiertemit der französischen Partei in Italien, und darum stellte er Frank-reich, nicht das deutsch-spanische Kaiserhaus an die Spitze der Christen-heit. Joseph Kohen verstand es allerdings nicht, den Geschichtsstoffkünstlerisch zu gruppieren und ihn in einen einheitlichen Rahmen zufassen. Die Zeitfolge ist das Band, welches die zusammenhanglosnebeneinander gestellten Ereignisse und Tatsachen zusammenhält.Aber was ihm an Gestaltungskunst abging, das ersetzten seine Wahr-heitsliebe und seine ungemeine Genauigkeit. Freilich, soweit er sich inder älteren Geschichte der Führung seiner oft schlechten Quellen über-lassen mußte, beging er Mißgriffe; aber in der Geschichte seiner eigenenZeit, die er entweder selbst erlebt oder gewissenhaft durch Zeugen-verhör erforscht hatte, ist er ein unparteiischer, zuverlässiger Zeuge unddarum eine lautere Quelle. Der hebräische Geschichtsstil, den er denbesten biblischen Geschichtsbüchern entlehnt hat, belebt seine Darstellungungemein. Die biblische Gewandung und die dramatischen Wendungengeben ihm einen eigenen Reiz und heben das Werk über den Standeiner trockenen Chronik hinaus. An die betreffenden Zeitpunkte reihteJoseph Kohen die Geschichte der größeren Judenverfolgungen an,wozu er sich seltene Quellen zu verschaffen gewußt hat, die noch keinanderer vor ihm benutzt hatte. Seine Hauptaufgabe war, die gerechteWaltung Gottes in der geschichtlichen Begebenheit nachzuweisen, wieGewalt und Arglist ihre gerechte Vergeltung fanden und von ihrer er-rungenen Höhe herabgestnrzt wurden. Er empfand die Wehen derGeschichte' mit, darum schrieb er nicht kalt, sondern öfter mit maßloserBitterkeit und ließ es nicht an Verwünschungen gegen die blutigenVerfolger unschuldiger Märtyrer fehlen. Joseph Kohen hatte bei Ab-fassung der Jahrbücher den Plan, die Judenverfolgungen, die erdarin nur gelegentlich angeführt hatte, der Zeitfolge nach in derselbenForm aufzuzählen, hat ihn aber erst später ausgeführt, weil ihm nochQuellen gemangelt zu haben scheinen.
Von anderer Art ist ein Geschichtswerk aus derselben Zeit, worandrei Geschlechter, Ahn, Sohn und Enkel, gearbeitet haben. Aus derangesehenen Familie Jbn-Verga, welche mit den Abrabanels verwandtwar, hatte JudaJbn-Verga, zugleich Kabbalist und Astronom,