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Geschichte der Juden.
sollte?) Diese Austreibung aus Genua hat nur insofern einige Be-deutung, als ein gewandter jüdischer Geschichtsschreiber davon be-troffen wurde, dessen Lebensschicksale im kleinen den Schmerzensgangdes jüdischen Stammes im großen abspiegeln.
Der Ans- und Niedergang im Völkerleben, sowie die Wechselfälleim- Leben des jüdischen Volkes brachten nämlich seit der grausigenVertreibung der Juden ans Spanien und Portugal und der unmensch-lichen Verfolgung der Marranen einigen scharfbeobachtenden Judendie Überzeugung bei, daß nicht der Zufall in der Geschichte walte,sondern daß sie eine höhere Hand leite und durch Blut vnd Tränen-ströme ihren Ratschluß zu Ende führe. Kein Jahrhundert seit denKreuzzügen war reicher an wechselvollen, fast dramatischen Begeben-heiten als das sechzehnte, in welchen: nicht bloß neue Länderent-deckungen auftanchten, sondern sich auch ein neuer Geist unter denMenschen regte, der nach neuen Schöpfungen rang, aber von demBleigewicht des Alten und Bestehenden stets niedergehalten wurde.Diese Fülle der Tatsachen führte einige gedankenreiche Juden, größten-teils von sefardischer Abkunft, zu der Reife des Urteils, in der wilden,scheinbar launenhaften und unregelmäßigen Strömung der allgemeinenund jüdischen Geschichte ein Werk der Vorsehung zu erblicken. Siebetrachteten die Geschichtserzählung als Trösterin desjenigen Teils derMenschheit, welcher von dem wilden Ritte der heranstürmenden Be-gebenheiten umgeworfen, überritten und zerfleischt worden ist. Undwelcher Volksstamm bedurfte mehr des Trostes, als der jüdische, dasMürtyrervolk, das zun: Leiden geboren schien und sein Brot stets mitTränen aß? Fast zu gleicher Zeit faßten drei geistesgeweckte Judendie Aufgabe ins Auge, sich in der Geschichte umzusehen und derjüdischen Lesewelt ihre ehernen Tafeln vorzuhalten. Es waren derArzt Joseph Kohen, der Talmndist Joseph Ibn - Vergaund der Dichter Samuel U s q u e. Alle drei gingen dabei voneinem und demselben Grundgedanken aus. Der Geist der Propheten,welcher in der Betrachtung der Geschichtsbegebenheiten das geeignetsteMittel zur Belehrung und Erhebung erblickte, war über sie gekommen,und sie haben dadurch bekundet, daß die Juden auch in ihrer Niedrig-keit nicht dem Gesindel der Zigeuner glichen, das weder eine Geschichtehat, noch kennt, ja, daß sie in mancher Beziehung höher ständen, alsdiejenigen, die Zepter und Schwert, Rad und Kolben zur Knechtungder Menschheit gehandhabt haben.
Der bedeutendste unter diesen als Geschichtsschreiber war Josephben Josua Kohen (geb. in Avignon 1496, gest. 1575)?) Seine
>) Joseph Kohen, das. 108, auch in seiner Chronik x. 135.
Die Daten sind in seinen beiden historischen Werken: türkische undfranzösische (richtiger weltgeschichtliche) Chronik no-w 0 - 2 -,n