Vertreibung der Juden aus Genua.
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hundert Jahre vorher/) eine begeisterte Schilderung in Hellen Farbenund mit verlockenden Aussichten von der Lage der Juden in der Türkei.Die Auswanderer würden dort nicht bloß Ruhe und Freiheit, sondernauch Wohlstand und Lebensbehaglichkeit finden, denn Volk und Re-gierung hegten nur Wohlwollen gegen die Juden, besonders gegen dieaus der Christenheit ausgewanderten. Die Reichen würden Gelegen-heit finden, ihr Gut zu vermehren, und die Armen durch Handwerkeihre Existenz zu sichern. Sie sollten nur nicht durch Selbsttäuschungmit der Auswanderung zögern, sonst würde es ihnen wie denen inSpanien und Portugal ergehen, in der letzten Stunde durch Drang-sale aller Art gezwungen, zum Scheine das christliche Bekenntnis zuheucheln. Denn das Ende der Quälereien werde doch die Austreibungsein?) Sultan Suleiman brauchte nicht, wie Karl V., den Judenfort und fort Schutzbriefe zu erteilen. Sie fänden ausreichenden Schutzan dein duldsamen Geiste, der in der Türkei herrschte. Wie andersin der Christenheit!
Tie Republik Genua hatte eine Zeitlang keinen Juden längerals drei Tage auf ihrem Gebiet geduldet. Indessen wurden nach undnach Flüchtlinge aus Spanien oder der Provence in dem StädtchenNovi bei Genna ausgenommen, verkehrten auch in der Hauptstadt undwurden daselbst stillschweigend geduldet. In der Parteistreitigkeit derPatrizierfamilien wurde die kleine Gemeinde in Mitleidenschaft ge-zogen, von der einen verwiesen, von der andern wieder zugelassen?)Es waren meistens gewerbtätige, intelligente Juden, Kapitalisten, Ärzte.Aber auch hier wühlten die Dominikaner gegen sie und stachelten inihren Predigten namentlich den Brotneid der christlichen Ärzte gegensie auf. Gegen den Willen des Dogen Doria wurden infolgedessendie Juden aus Genua Vertrieben (April 1550), und unter Trompeten-klang wurde verkündet, daß kein Jude künftig daselbst geduldet werden
') Band VIII3, S. 211.
2) Das interessante Antwortschreiben der Salonicher Gemeinde an die derProvence hat Isidor Loeb aus einer Handschrift mitgeteilt Levns cl. Lt. XV,27ü f. Es hat die Überschrift: m-b) nem mbr-im mb) nmn . . . pwn 'mbvund ist datiert: nmr? '"v mv bibn n"i . . . riLrins (mb'b) l.). Mr. Loeb findetes auffallend, daß die Juden der Provence sich damals nach einem Asyl um-gesehen haben sollten, da sie doch ein halbes Jahrhundert vorher ausgewiesenwaren. Er vermutet daher, daß das Ausweisungsedikt von Ludwig XII. nicbtstreng durchgesnhrt worden sei, oder daß später wieder Juden ausgenommenworden wären. Er gibt aber selbst zu, daß sich kein Beleg für diese Annahmefindet. Die Korrespondenz kann daher nur von den Gemeinden in Venaissin,Avignon und Carpentras ausgegangen sein, welche unter dem strengen Kircben-regiinent Quälereien erduldet und eine Ausweisung befürchtet haben. Sie sinddoch in der Tat 1569—70 ausgewiesen worden. Vergl. w. u.
°) Joseph Kohen, das. p. 93—94, 96, 108.
Graetz, Geschichte der Juden. IX.
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