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Geschichte der Juden.
oder gar totgeschlagen?) Aus Roßheim selbst, Joselins Wohnort, demer in Fährnissen wesentliche Dienste geleistet hatte, wurden in seinerAbwesenheit Sohn und Schwiegersohn mit ihren Familien hinaus-gejagt?)
Grell beleuchtet wird die judenfeindliche Unduldsamkeit unter demKreuze und die freundliche Duldung unter dem Halbmonde durcheinen Schriftwechsel zwischen hier und dort. Sobald der letzte Papstaus dem Humanistenkreise, der den Juden wohlwollende Paul III.,die Augen geschlossen batte, kam infolge der Kirchenspaltung die streng-kirchliche Partei der Jesuitei: und Theatiner ans Ruder, und diesewollte nichts von Duldung und Gewährenlassen wissen. Alle Organedes Papsttums drangen auf unerbittliche Durchführung der kanonischenMaßlosigkeit. Die Jude:: in dein kleinen Kirchenstaat Venaissin, inner-halb des französischen Gebietes, empfanden bald den Umschlag derWindrichtung. Bis dahin von den duldsamen Päpsten und besondersvon Paul III. gewissermaßen gehegt, zeigten auch die päpstlichen Be-amten ihnen Wohlwollen und Zuneigung?) Die Juden in dengrößeren Städten Avignon, Carpentras besaßen Reichtum, Güter allerArt und auch Äcker. Tie Bankinhaber hatten das Privilegium, einenhohen^ Zinsfuß zu nehmen, wodurch allerdings Schuldenmacher Ge-legenheit hatten, sich zu ruinieren. Die Kurie bezog durch den Ge-schäftsumfang der Juden von Venaissin bedeutende Einnahmen. Zweireiche Brüder in Carpentras, Samuel und Bondian Cres-cas standen in besonderem Ansehen bei den päpstlichen Behörden,waren vielleicht Finanzmeister und nahmen sich viel gegen Judenund Christen heraus?)
Diese Begünstigung hörte mit der Inthronisation des Nachfolgersvon Paul III. von der streng kirchlichen Observanz auf. Die kano-nischen Vorschriften von der Ausschließung der Juden aus der Ge-sellschaft und von anderen Bedrückungen sollten rücksichtslos gehand-habt werden. Die Gemeinden sahen schlimmen Tagen entgegen undfürchteten massenhafte Ausweisung. Sie faßten daher eine freiwilligeAuswanderung ins Auge und zwar nach der duldsamen Türkei, undbeorderten zwei Sendboten nach Sälonichi, wo ihre ehemaligen Lands-leute angesiedelt waren, um sichere Erkundigungen über die Lage derJuden in diesem Lande einzuziehen (1550).
Die Gemeindevertreter von Sälonichi konnten den Sendboten be-ruhigende Auskunft geben, und entwarfen, wie Isaak Zarfati zwei-
>) Revue cl. M II, 273, V 95 aus Aktenstücken.
2) Das. XIII, 252 f.
°) Vergl. Lackoletl siüseoxt OarxeMraeeneis epietolas XII, 17; XIII, 3.
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