Haß der Griechen gegen die Juden in der Türkei. 303
Papstes Panks III., welcher die Marranen in Portugal begünstigte —sprach so eindringlich zugunsten der Schonung der Juden, daß diemeisten Fürsten ihr Vorhaben aufgaben. Nur einige protestantischeFürsten und Städte verjagten sie, Eßlingen, Landau und andere (1545).
Bis in die Türkei hinein verfolgte sie der Judenhaß. Warenes nicht Dominikaner oder Protestanten, so waren es griechisch-katho-lische Christen. In den kleinasiatischen wie in den griechischen Städtenwohnten Türken und Griechen untereinander. Die letzteren, welcheihren Übermut nicht aufgeben mochten, ihn aber an den herrschendenTürken nicht auslassen konnten, verfolgten die Juden mit ihrem stillenHasse und benutzten jede Gelegenheit, ihnen Verfolgungen von seitender Herrscher zuzuziehen. Eines Tages veranstalteten einige Bös-willige unter ihnen in der Stadt A inasiain Kleinasien eine solche.Sie ließen einen armen Griechen, der mit Juden zu Verkehrenpflegte, und von ihnen unterhalten worden war, verschwinden undklagten einige derselben an, ihn ermordet zu haben. Die türkischenKadis zogen hierauf die Angeklagten ein, folterten sie und erpreßtenihnen das Geständnis des Mordes. Sie wurden gehängt, und einangesehener jüdischer Arzt, Jakob Abi -- Ajub, wurde deswegenverbrannt (um 1545). Nach einigen Tagen erkannte ein Jude den er-mordet geglaubten Griechen, entlockte ihm die Art seines Verschwindensund brachte ihn vor den Kadi. Dieser, mit Recht über die boshaftengriechischen Ankläger erzürnt, ließ sie hinrichten. Auch in der StadtTokatin derselben Gegend, kam in derselben Zeit eine ähnliche An-schuldigung gegen Juden vor, und auch deren Lügenhaftigkeit kam auden Tag. Von diesen trüben Vorfällen nahm der jüdische Leibarztdes Sultans S u l ei m a n , M o s e H a m o n (o. S. 27), Gelegenheit,ein Dekret von demselben zu erwirken, daß eine Anklage gegen Judenin der Türkei, sie hätten einen Christen gemordet, dessen Blut inOsterkuchen getan, und ähnliche boshafte Anschuldigungen, nicht vordie gewöhnlichen Richter, sondern vor den Sultan selbst gebracht werdensollten?) In der Christenheit dagegen wiederholten sich erlogene An-klagen gegen sie immer und fanden Glauben beim Volke und auchbei vorurteilsvollen Richtern, und am meisten in Deutschland. Aus-gedehnte und ernstgemeinte Privilegien, welche Kaiser Karl neuer-dings (1545) 2 ) zu ihrem Schutze erteilte, lediglich durch Bittgesuchevon Joselin erwirkt, nützten nicht viel. Die Juden wurden nichtsdesto-weniger bald hier, bald da, im Elsaß, in Bayern, im Württembergischenausgewiesen, mißhandelt, auf den Straßen ihrer Habseligkeiten beraubt
>) Zeitgenössische Quellen: Joseph Jbu-Vcrga, Sebebet Isbnäa III.Joseph Kohen, Ümslr Im 2a,vlm 105. Der letztere gibt das Datum 1545.
2) Joselin Tagebuch, Nr. 28 u. isv Katalog Bodl. Neubauer Nr. 2240,