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Geschichte der Juden.
brechen, zu stehlen und zu rauben, sei nicht Sünde/) und daß die Judenan nichts anderes dächten, als die christliche Kirche zu schwächen. Es istgauz unbegreiflich von Luther, der in seinem ersten reformatorischen Auf-slammen sich so kräftig der Juden angenommen hatte, daß er all dielügenhaften Märchen von Brunnenvergiftung, Christenkindermord undBenutzung von Menschenblut wiederholen konnte?) Übereinstimmendmit seinem Antipoden Eck behauptete auch er, die Juden hätten es zugut iu Deutschland, und daher stamme ihr Übermut.
Was soll nun diesem verworfenen, verdammten Volke, das garnicht mehr zu dulden sei, geschehen, fragte Luther, und er erteilteauch eine Antwort darauf, die von Fanatismus wie von Lieblosigkeitzeugt. Fürs erste, riet der Reformator von Wittenberg, sollte mandie Synagoge der Juden einäschern und „solches soll man tun unsermHerrn und der Christenheit zu Ehren." Dann sollten die Christen ihreHäuser zerstören und sie etwa unter ein Dach oder in einen Stallwie die Zigeuner treiben. Alle Gebetbücher und Talmudexemplare, jaselbst die heilige Schrift alten Testamentes sollte man ihnen mit Gewaltnehmen (gerade wie es Luthers Gegner, die Dominikaner geratenhatten), und selbst das Beten und Aussprechen des göttlichen Namensfei ihnen bei Verlust des Leibes und Lebens verboten. Ihren Rabbinensollte das Lehren untersagt werden. Die Obrigkeit sollte den Judenüberhaupt das Reisen verbieten und die Straßen verlegen, sie müßtenzu Hause bleiben. Der Wucher sollte ihnen nicht bloß untersagt, son-dern alle ihre Barschaft sollte ihnen abgenommen werden. Lutherriet, damit einen Schatz anzulegen und davon diejenigen Juden zuunterstützen, welche sich zum Christentum bekehrten. Die starkenJuden und Jüdinnen sollte die Obrigkeit zun: Frohndienste zwingen,sie streng anhalten, Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel zuhandhaben, damit sie ihr Brot im Schweiß ihres Angesichts verdientenund nicht in Faulenzerei, iu Festen und Pomp verzehrten?) DieChristen sollten keine schwache Barmherzigkeit für die Juden habend)Dem Kaiser und den Fürsten redete Luther zu Herzen, sie solltendie Juden ohne weiteres aus dem Lande jagen, sie in ihr Vaterlandzurücktreiben?) In der Voraussetzung aber, daß die Fürsten nicht einesolche Torheit begehen sollten, ermahnte er die Pfarrer und Volks-lehrer, ihre Gemeinden mit giftigem Hasse gegen die Juden zu er-
>) Luther, von den Juden, Bl. V.
2) Das. Bl. (l. 2 b. In den Tischreden (II, Nr. 2910) stellte er die unwahreBehauptung auf: „Die Juden, so sich für Arzte ausgebcn, bringen die Christen,welche die Arznei brauchen, um Leib und Gut. Und wir tolle Narren habennoch Zuflucht zu unseren Feinden . . in Gefahr unsers Lebens."
°) Das. Bl. L 2 fg. ll. fg. 0 Das. Bl. L 3.
») Das. Bl. 3 unten.