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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Luthers BuchVon den Juden und ihren Lügen." 299

elterliche Logik. Wenn er den Stolz der Juden auf ihre Abstammung,auf ihr hohes Alter, auf ihre Auserkorenheit und ihre Treue zunichtemachte, so kann man das seinem theologischen Standpunkt, und wenner sie verstockt und verdammt, Lügner und Bluthunde, giftige Ottern,rachgierige, hämische Schlangen nannte, weil sie die christologischeDeutelei der heiligen Schrift nicht anerkennen wollten, so kann mandas seiner Derbheit zugute halten, sowie auch, daß er sie als Teufels-kinder bezeichnete, da er an allen Orten nur Teufelei erblickte mitAusnahme seines sehr winzigen engern Kreises von Nachbetern. Estiberschreitet aber das Maß aller Nachsicht mit der Eigenart einerausgeprägten Persönlichkeit, wenn Luther sich in Lieblosigkeit gegendie Juden erging, wie man sie nur von Judenbrenzern gewöhnt war:Was klagen die Juden über harte Gefangenschaft bei uns", heißtes bei ihm,wir Christen sind beinah 300 Jahr lang von ihnen ge-martert und verfolgt, daß wir Wohl klagen möchten, sie hätten unsChristen gefangen und getötet. Dazu wissen wir noch heutigen Tagesnicht, welcher Teufel sie hier in unser Land gebracht hat" (als wennJuden nicht vor den Germanen in einigen jetzt zu Deutschland zäh-lenden Landstrichen gewohnt hätten).Wir haben sie zu Jerusalemnicht geholt; zudem hält sie auch niemand, Land und Straßen stehenihnen jetzt offen, mögen sie ziehen in ihr Land, wir wollen gern Ge-schenke dazu geben, wenn wir sie los werden; denn sie sind uns eineschwere Last, wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück". WiePfefferkorn und Eck teilte Luther mit Schadenfreude mit wie dieJuden öfter mit Gewalt vertrieben wordenaus Frankreich und neu-lich vom lieben Kaiser Karl aus Spanien (verworrene Geschichtskenntnis),dieses Jahr aus der ganzen böhmischen Krone, da sie doch zu Pragder besten Nester eins hatten, auch aus Regensburg, Magdeburg undmehreren Orten bei meinen Lebzeiten"?)

Ohne Blick für die Duldergröße der Juden in der allerfeind-seligsten Umgebung und unbelehrt von der Geschichte, wiederholteLuther nur die lügenhaften Anschuldigungen des Franziskaners Niko-laus de Lyra, des aus Ehrgeiz übergetretenen Rabbiner-Bischofs SalomonPaulus von Burgos und des vom Judentum zur katholischen Kirche undvon dieser zuin Protestantismus übergetretenen Margaritha?) DieserErzjudenfeinden schrieb er nach, daß der Talmud und die Rabbinerlehrten, Gojim, d. h. Heiden und Christen zu töten, ihnen den Eid zu

U Luther, von den Inden Bl. I) 4 b fg.

") Luther schrieb Margaritha die Anschuldigung nach (das. Bl. Ob), daßdie Juden Christen mit ,,8ebeä Willkommen" begrüßen. Ebenso Luthers Tisch-reden II, Nr. 2927, Ausgabe der Luiherschcu Schriften von Jrmischer. NichtPfefferkorn hat er benutzt, wie ich in den früheren Ausgaben geschrieben.