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Geschichte der Juden.
mit sklavischem Gehorsam geachtet wissen wollte — in Einklang bringensollte, und hatte daher die Junker ermutigt, die zu ihrer Befreiungvon ihrem tausendfachen Trucke aufgestandenen Bauern „zu stechen,zu schlagen, zu würgen, wer da kann." In den Evangelien und Grund-schriften des Christentums konnte er sich nicht zurecht finden, j TerGegensatz zwischen den gesetzverachtenden Paulinischen Elementen'undden das Gesetz hcchstellenden judenchristlichen Bestandteilen in den-selben blieb ihn: ein Rätsel. Daher tappte er im Dunkeln umher.Das eine Mal erklärte Luther das Gesetz des alten Testaments fürvollständig aufgehoben, auch die zehn Gebote: „Tu solst nicht stehlen,nicht ehebrechen, nicht morden", das andere Mal gestattete er demLandgrafen von Hessen zwei Frauen nach alttestamentlichem Musterzu heiraten — aber im Geheimen. Er konnte vollends das Juden-tum mit seinen nicht den Glauben, sondern die Versittlichung undVeredelung der Menschen erzielenden Gesetzen gar nicht begreifen,und er geriet in förmliche Wut, wenn sich seine Genossen (Karlstadt,Münzer) darauf beriefen, z. B. auf das Jubeljahr zur Befreiung derSklaven und Leibeignen. Nun war ihm eine Schrift zugekommen,worin das Judentum gegen das Christentum in einem Dialoge inden Kampf geführt wurde (o. S. 295) wahrscheinlich von eineinchristlichen Verfasser. Das war zuviel für ihn. Das Judentum solltesich erdreisten, sich mit den: Christentum messen zu wollen! Flugsgiug Luther ans Schreiben, um eine so leidenschaftlich giftige Schrift:„v o n d e n I u d e n u n d i h r e n L ü g e n" (1542) i) zu verfassen,daß sie Pfefferkorns und Tcktor Ecks Gehässigkeiten noch übertraf.Tie Tatsachen zur Beschuldigung der Juden entnahm er nicht ausdein Leben, sondern aus der Darstellung des boshaften TäuflingsAnton Margaritha, von dessen Schrift er vollständig beeinflußt war.
Luther bemerkte im Eingänge, er habe sich zwar vorgenommen,nichts mehr, weder von den Juden, noch Wider sie zu schreiben, aberweil er erfahren, daß „die elenden heillosen Leute" sich unterfingen,Christen an sich zu locken, wollte er warnen, sich nicht von ihnen narrenzu lassen. Disputieren mit den Juden wolle er gar nicht, denn sieseien unverbesserlich. — Luthers Hauptbeweisführung für die Wahr-heit des Christentums gegen die Leugnung von Jesu Messianitätseitens der Juden ist ganz im mönchischen Geschmack gehalten: Weildie Christen ihnen über ein Jahrtausend alle Menschenrechte geraubt,sie wie schädliche Tiere behandelt, sie getreten, zerfleischt und nieder-gemetzelt haben, mit einem Worte, weil sie durch die Lieblosigkeitder Christen im Elende sind, darum müssen sie verworfen, und derHeiland der Welt müsse erschienen sein! Es ist nrch immer die mittel-
*) Zuerst erschienen Wittenberg t543.