Ecks unh Luthers Jndeufeindlichkeit. 297
Pfefferkorn wärmte er wieder auf; was irgend ein altes Weib vondem Blutdurst der Juden ausgesagt, oder was Juden unter derFolter bekannt hatten, namentlich die erlogene Geschichte von demKind Simon aus Trient stoppelte er zusammen und fugte angeblichseine eigenen Erlebnisse hinzu. Eck war unverschämt genug, aus demalten Testamente selbst den blutdürstigen Charakter der Juden zu be-weisen. Nicht bloß, die Erzählung, daß Simon und Levi Rache auden Sichemiten genommen, die Brüder Joseph verkauft, sondern auchdaß Mose die Kanaaniter zu vertilgen befohlen und David Uria hattetöten lassen, legte er den Juden seiner Zeit zur Last?) Um ihnenSchaden zuzufügen, verunglimpfte er auch die von der Kirche gefeiertenHelden des alten Testamentes. Mit seiner Zungendrescherei undseiner falschen Gelehrsamkeit behauptete er steif und fest, daß dieJuden Christenkinder verstümmelten und deren Blut gebrauchten, umdamit ihre Priester zu weihen, die Geburt ihrer Weiber zu fördern,Krankheiten zu heilen, und daß sie Hostien schändeten, die natürlichWunder getan hätten. Mit Entrüstung rief er aus: „Es ist ein großerMangel bei uns Christen, daß wir die Juden zu frei halten, ihnenviel Schutz und Sicherheit gewähren, "ch Er äußerte den frommenWunsch, daß sämtliche kanonischen Beschränkungen gegen sie aufsstrengste gehandhabt, und daß sie namentlich zum Auhören christlicherPredigten und zum Abstellen von Geldgeschäften gezwungen werdensollten.
Recht lehrreich ist es, daß Luther, der Vorkämpfer gegen ver-altete Vorurteile, der Stifter eines neuen Bekenntnisses, mit seinemTodfeinde, dem Doktor Eck, welcher ähnliche Verlogenheit mit der-selben Unverschämtheit gegen ihn vorgebracht hatte, in Betreff derJuden vollständig ttbereinstimmte. Die beiden leidenschaftlichen Gegnerwaren im Judenhasse ein Herz und eine Seele. Luther war im zu-nehmenden Alter verbittert worden. Durch seinen Eigensinn und seineRechthaberei hatte er im eignen Kreise vieles verdorben, die Eintrachtmit den Gesinnungsgenossen gestört und eine dauernde Spaltung imeigenen Lager geschaffen, welche der Reformation mehrere Jahrhun-derte hindurch zum größten Schaden gereichte. Seine derbe Naturhatte immer mehr das Übergewicht über seine sanfte Religiosität undDemut erlangt. Sein schwacher Kopf konnte die durch sein Werk selbstaufgehäuften schroffen Gegensätze nicht bewältigen, und was er mitseinem Verstände nicht ausgleichen konnte, sollte mit derber Faustniedergeschlagen werden. Er konnte nicht ins Reine damit kommen,wie er die evangelische Freiheit mit der Despotengewalt der damaligengroßen und kleinen Fürsten — die er als von Gott eingesetzte Obrigkeit
h Eck a. a. Bl. 0 1; U 2.
h Das. Bl. 6 2 b.