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Geschichte der Juden.
wollen. Es sei daher gerechtfertigt, onzunehmen, daß die Pfaffenauch den Mord des Kindes im Neubnrgschen erdichtet hätten?)Der Verfasser weist ferner darauf hin, daß die Christen bis ins dritteJahrhundert bei den Heiden als Kinderinörder und Blutzapfer ver-rufen waren.2) Die Geständnisse von Juden selbst, auf die man sichzur Begründung der Anklage berufe, seien unter der Folter gemachtworden und könnten nicht als Beweise angeführt werden?)
Die fanatischen katholischen Geistlichen, und namentlich der Bischofvon Eichstätt, sahen diese Wendung mit Unwillen an, daß die Juden,statt verabscheut und verfolgt zu werden, in dieser Schrift verherrlichtwurden, und sie beeilten sich, den Eindruck zu verwischein DoktorJohann Eck berüchtigten Andenkens aus der Reformationsge-schichte, ein Schützling des Bischofs voll Eichstätt, erhielt den Auftrag,eine Gegenschrift zu verfassen, die Blutbeschuldigung zu beweisen unddie Juden zu verunglimpfen. Dieser juristische Theologe mit der Breit-schnltrigkeit eines Metzgerknechtes, der Stimme eines Aufrührers undder Disputiersucht eines Sophisten, der durch seine Eitelkeit, seineStellenjägerei und Trunksucht die katholische Kirche, die er gegen dieLutheraner verteidigen wollte, erst recht in Mißkredit gebracht hatte,in Deutschland zuletzt bei Katholiken und Protestanten zugleich gehaßtund verachtet, dieser gewissenlose Streithahn übernahm gern denAuftrag, den Juden Fußtritte zu versetzen. Wo es galt, Skandal zumachen, zu denunzieren, das Volk aufzuwiegeln, alte Vorurteile undJrrtümer mit sophistischer Zungendrescherei zu verteidigen, ließ sichEck gern bereit finden. Er verfaßte (1541) eine judenfeindliche Gegen-schrift gegen das „Judenbüchlein", worin er sich anheischig machte, zubeweisen „was Übles und Büberei die Juden in allen deutschenLanden und anderen Königreichen gestiftet haben." Alte Beschuldi-gungen von getauften Juden, von Paulus de Burgos an bis auf
h Eck, Judenbüchleins Verlegung, Bl. dl 4.
°) Das. Bl. 1 führt Eck die Erklärung des judenfreundlichen Vcrf. von demUrsprung der Beschuldigung des Blutgebranchcs an. Er stamme aus dem Miß-verständnis eines hcbr. Wortes. Das Wort vwi (Blut) bedeute im Talmudund im Sprachgebrauch der Juden auch Geld (wie im Lat. sau«uis). Wennnun ein Jude von awi Geld gesprochen, so habe ein Christ darunter Blutverstanden und darum die Juden des Blutvergießens bezichtigt. Der ZeitgenosseJoselin hat dieses Faktum ebenfalls in sein Tagebuch eingetragen (Nr. 24) unddabei bemerkt, daß durch seinen Einfluß der Herzog von Ncubnrg und dieGrafen von Pappenheim, sich der Inden angenommen hätten: bipsb w-iximvw'nb 1 NW >".-N^L, 'p llp vr Lwnn llp NW'! nHiprz. Das
Wort PW 2 W 2 ist zu lesen p-!iai"r. Ausfallend ist es, daß sich einige unsaubereJuden aus Heidelberg von Frankreich gebrauchen ließen, diesen ihren Verteidigerum die Sukzession in der Pfalz vermittelst einer Intrige zu bringen. Vergl.I. Landsberger in Fr.-Graetz Monatsschr. 1883, 379.
b) Siehe Band VIII, S. 67, 95, 259 f., 341.