Das Judenbüchlein.
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einzuziehen. Tie Untersuchung hatte aber die Schuld der Judennicht ergeben. Bei dieser Gelegenheit hatten sich, wiederum durcheifrige Verwendung Joselins, der Herzog Otto Heinrich vonN e u b u r g - S u l z b a ch und die Herren von Pappenheimder Juden eifrig angenommen und dem Bischof von Eichstätt ent-gegengearbeitet. Dieser hatte dagegen Himmel und Hölle in Be-wegung gesetzt, die Juden wenigstens ausweisen zu lassen. Ein Dichter-ling, Thier mayer von Eberts Hafen, hatte darauf eineSchmähschrift in deutschen Versen gegen den Herzog Otto Heinrich,als Judengönner, verfaßt, dem viel daran gelegen war, aller Weltdie Unschuld der Juden klar zu machen. Wahrscheinlich auf seineVeranlassung hatte ein mutiger Schriftsteller freimütig die Judengegen das Vorurteil der Christen in einer Schrift in Schutzgenommen. Diese Schrift, „ein Judenbüchlein" — dessen Verfasserein lutherischer Geistlicher (vielleicht H o s i a n d e r) war — hat zumerstenmal die ganze Lügenhaftigkeit und Bosheit der Beschuldigungdes Christenkindermordes in Helles Licht gesetzt. Mit lauter Stimmerief der Verfasser — der viel mit Juden verkehrt und ihre Sprache,Gesetze und Sitten gründlich kennen gelernt haben wollte, daß denJuden mit den ewigen Anschuldigungen des Kindermords himmel-schreiendes Unrecht geschähe. Ter Reichtum und der reine Glaubeder Juden seien die Veranlassung dazu. Einerseits pflegten hab-süchtige und grausame Fürsten oder verarmte Edelleute oder denJuden verschuldete Bürger solche Märchen zu erfinden, um deu Judenzu Leibe gehen zu können, und anderseits erfänden und verbreitetenMönche oder Weltgeistliche solche Fabeln, um neue Heilige zu machenund neue Wallfahrtsorte zu stiften. In dem langen Zeitraum, seitder Zerstreuung der Juden unter den Christen, bis vor dreihundertJahren habe man nichts davon gehört, daß sie Christenkinder ge-schlachtet hätten. Erst seit dieser Zeit, seitdem Mönche und Pfaffenviel Betrug mit Wallfahrten und Wunderkuren angerichtet, seien dieseMärchen aufgekommen. Tenn die Pfaffen hätten niemanden mehrgefürchtet als die Juden, weil diese nichts auf Menschenerfindunggäben, und weil sie die Schrift besser als die Pfaffen verstünden,hätten sie die Juden aufs ärgste verfolgt, verunglimpft und verhaßtgemacht. Sie hätten ihnen sogar die heiligen Bücher verbrennen
') Diese Schrift ist wohl uulergcgangeu und nur auszugsweise bekannt durchEcks „Juden büch leins Verlegung, darin ein Christ ganzer Christenheitzu Schmach will, es geschehe den Juden Unrecht in Beziehung des Christen-Kinder-Mords," vollendet Sept. >54>. Gedruckt Ingolstadt im selb. Jahre. Bl.O 4 deutet Eck an, daß der Vers, der Apologie für die Juden „der lutherischePrädikant Hosiander sei." Über deu Vorfall, der den Schriften zu Grundeliegt, f. Aretin, Geschichte der Inden in Bayern S. 44 ff.