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Geschichte der Juden.
gegen die Türken dem Sultan verraten zu haben. Die böhmischenStände faßten daher den Beschluß, sämtliche Juden Böhmens auszu-weisen, und der König Ferdinand, Karls V. Bruder, erteilteseine Bestätigung dazu. So mußten sie mit ihren Habseligkeiten denWanderstab ergreifen (Adar 1542); von der zahlreichen JudenschaftPrags erhielten nur zehn Personen oder Familien die Erlaubnis, da-selbst zu weilen. Viele von ihnen wanderten nach Polen und derTürkei, den beiden tolerantesten Ländern der damaligen Zeit. In-dessen stellte sich noch im Laufe desselben Jahres die Unschuld derHingerichteten und folglich der ausgewiesenen Juden heraus. EinigeGroße verwendeten sich daher für die Zurnckberufung derselben; siewaren doch unentbehrlicher, als der Brotneid, kirchliche Fanatismusund Rassenhaß glauben machen wollten. Auch der unermüdlicheJoselin, welcher bei dem König von Böhmen ebenfalls in Gunst stand,von den Ausgewiesenei: dringend berufen, verwandte sich für dieRückkehr, obwohl er einige Jahre vorher, nach Prag geladen, umheftige Streitigkeiten in dieser Gemeinde zu schlichten/) von einemTeil boshaft verfolgt worden war. Und so durften diejenigen, welchesich in der Nähe der böhmischen Grenze niedergelassen hatten, wiederin ihre Heimat zurückkehren. Sie mußten aber für diese Gnade einjährliches Schutzgeld von 300 Schock Groschen erlegen und wurden ge-halten, einen gelben Tuchlappen als Unterscheidungszeichen zu tragen?)
In derselben Zeit hetzten zwei hochstehende einflußreiche Persön-lichkeiten, die eine auf katholischer und die andere auf protestantischerSeite so gewaltig gegen die Juden, daß es als ein Wunder zu be-trachten ist, daß sie damals nicht bis auf den letzten Mann vertilgtworden sind. Die Veranlassung der einen Aufreizung war folgende.In: Bayerland, in: Herzogtum Neuburg, war um die Osterzeit einvierjähriger Bauernknabe aus Zappenfeld vermißt worden, und derArgwohn vermutete ihn bei den Juden. Nach Ostern war der Knabevon einen: Hunde entdeckt worden, und der Judenhaß glaubte Zeichender Marterung an seinem Leibe zu finden. Ter Bischof von Eichstätthatte daraus einige Juden ergreifen und nach seiner Residenz schleppenlassen, um ihnen den Prozeß zu machen, und außerdem an alle be-nachbarten Fürsten das Ansuchen gestellt, auch ihre Juden gefänglich
') Joselins Tagebuch Nr. 2a.
2) Quellens von Herr mann, Geschichte der Israeliten in Böhmen S. 41nach Urkunden: Joseph Kvhen a. a. O. p. IV3. Beide haben das Datum 1542für die Ausweisung. Gans dagegen im 2kmaeb Vaviä I setzt 1541; Usgnsdas. Nr. 35 ein falsches Jahr 1546 und eine andere Motivierung, nämlich eineBeschuldigung des Kindesmordes. Auch Joselin fixiert das Jahr 1542 und deutetan, daß einige Juden hingerichtct worden wären (Nr. 25 .... nenn» orrn pin n-w
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